Die verbrannte Investition ins grüne Gas
Zahlreiche steirische Bauern setzten in den vergangenen Jahren auf die Produktion von Biogas. Jetzt gibt es für viele ein böses Erwachen: Der Betrieb rechnet sich nicht, die Schulden sind riesig.

Foto © Landwirtschaftskammer Steiermark
J a, es gibt uns noch - so recht und schlecht." Hannes Hauptmann hat keinen Grund zum Jubeln. Seit 2005 betreibt der Bauer in Bad Blumau eine Biogasanlage. 2,5 Millionen Euro hat er einst in das 500 Kilowatt starke Kraftwerk gesteckt, das Silomais und andere organische Stoffe in Gas und danach in Strom und Wärme verwandelt. Jetzt wäre Hauptmann froh, wenn er das investierte Geld wieder zurückhätte. "Ohne zusätzliche Stützung habe ich keine Chance, die Summe jemals wieder hereinzuholen", sagt er.
Wie Hauptmann ergeht es zahlreichen steirischen Bauern, die in der Aufbruchstimmung der Jahre 2003 bis 2006 in die Biogaserzeugung investiert haben. "Vom Landwirt zum Energiewirt" lautete die vermeintliche Erfolgsformel, mit der sich die Bauern ein zweites wirtschaftliches Standbein schaffen und obendrein klimaschonend Energie bereitstellen sollten. Bei den meisten der Biogaserzeuger ist dieser Traum inzwischen geplatzt. Der Betrieb der Anlagen rechnet sich nicht, die Schulden wachsen. Mehrere steirische Biogashersteller sind in die Pleite geschlittert, andere stehen davor. Die Bauernlobby habe sich selbst ein Ei gelegt, ätzen Kritiker.
Der Dachverband "Arge Kompost & Biogas" hat errechnet, dass die österreichischen Biogasanlagen inzwischen im Schnitt jeweils 250.000 Euro an ungeplanten Schulden angehäuft haben. Bei den 40 in Betrieb stehenden Anlagen in der Steiermark ergibt das ein Minus von zehn Millionen Euro, bundesweit (300 Anlagen) sind es 75 Millionen.
Schlechte Standortwahl und mangelnde Kalkulation sind dafür in einigen Fällen mitverantwortlich. Die Hauptschuld für die Misere ortet man bei der Arge aber in den Förderbedingungen für Biogas. Wer 2003 eine mittelgroße Anlage in Betrieb nahm, kassiert 13 Jahre lang rund 14 Cent pro Kilowattstunde eingespeisten Strom. "Es hat sich rasch herausgestellt, dass das viel zu wenig ist, aber es wurde nicht nachkorrigiert", kritisiert Vizeobmann Norbert Hummel. "In Deutschland hat man gehandelt und auf etwa 20 Cent erhöht - für 20 Jahre. Dort können die Anlagen weiterentwickelt werden, während wir uns nicht einmal den Regelbetrieb leisten können."
Teure Rohstoffe
Erschwerend hinzu kommt der Preisanstieg für Agrarrohstoffe. Mais ist im vergangenen Jahr um ein Viertel teurer geworden, Weizen sogar um die Hälfte. Das treibt die Betriebskosten für die Biogasanlagen weiter nach oben. Die vom Bund gewährten Rohstoffzuschläge können das nicht abfangen. "Viele Bauern haften mit ihrem Hof für die Investition und stehen vor dem Ruin. Und von den Banken gibt es kein Geld mehr für diese Technologie", sagt ein Betroffener. Teilweise können die Anlagenbetreiber ihre Lieferanten nicht mehr ausbezahlen. Und 2016 laufen für die ersten Anlagen die Tarifförderungen aus, was für viele das endgültige Ende bedeuten könnte.
Einfach die Fördertarife zu erhöhen, hält man bei der Regulierungsbehörde E-Control dennoch für wenig sinnvoll. "Dann haben die Rohstofflieferanten erst recht keinen Grund mehr, die Preise wieder zu senken", sagt Harald Proidl, Leiter der Abteilung für Ökoenergie. Um eine Lösung für die in Bedrängnis geratenen Anlagen werde man aber nicht herumkommen. "Würden alle pleitegehen, wären die gesamten Fördermittel umsonst gewesen", sagt Proidl. Und das waren seit 2003 bundesweit immerhin rund 500 Millionen Euro.
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FAKTEN
Biogas entsteht durch Vergärung von organischem Material. Rohstoff können Energiepflanzen wie Mais oder Roggen sowie biologischer Abfall und Gülle sein.
Das Gas entsteht durch den mikrobakteriellen Abbau dieser organischen Stoffe unter Luftabschluss. Dieser Vorgang wird Fermentation genannt und kommt in der Natur etwa in Mooren oder auch in den Mägen von Rindern vor.
Hauptbestandteil des Gases ist Methan. Im Biogas-Kraftwerk treibt das brennende Gas einen Generator an, der Strom erzeugt.
Die Verbrennung ist klimaneutral, weil das entstehende CO2 vorher von den verwendeten Pflanzen aus der Luft gebunden wurde.















