Tschetschenische Familie zittert vor Abschiebung
Eine achtköpfige Familie aus Tschetschenien fürchtet nach einem negativen Asylbescheid ihre Abschiebung. Für die jüngsten Kinder könnte das die Trennung von ihrer Mutter bedeuten.

Foto © APA/Symbolbild
Wenn sich die 18-jährige Jacha Abdulchalimova an ihr Geburtsland Tschetschenien zurückerinnert, sieht sie Soldaten. In der Morgendämmerung wecken sie die Hausbewohner auf und lassen sie auf der Straße antreten. Ein Nachbar wird vor den Augen des Kindes von den Bewaffneten erschossen. Dieses Trauma verfolgt die junge Frau: "Ich bin in der Nacht oft aufgewacht und habe geglaubt, jetzt kommen sie wieder."
Mit ihrer Mutter und fünf Geschwistern ist sie vor sechs Jahren geflüchtet und seit fünf Jahren in Österreich. Der Vater, der mittlerweile getrennt von seiner Familie lebt, hatte bereits zwei Jahre zuvor die zu Russland gehörende kaukasische Republik verlassen. "Nach dem Militär wollte man ihn in den Polizeidienst zwingen und hat ihn bedroht", erzählt Jacha.
Seit vier Jahren lebt die Familie in Löffelbach. Hier kamen auch die beiden jüngsten Mitglieder der Familie, ein und vier Jahre alt, zur Welt. Alle Kinder sprechen gut Deutsch, gehen hier zur Schule oder in den Kindergarten. Der älteste Sohn, der 20-jährige Adam Abdulchalimov, war sogar als Übersetzer für die Behörden tätig. "Trotzdem sagt mir die Asylbehörde im Bescheid, wir seien nicht gut integriert", wundert sich Abdulchalimov, der auch Mitglied in der Judosektion des TSV Hartberg war: "Dabei habe ich viele Freunde hier." Dass etliche Unterstützungsbriefe die Integration der Familie in ihrem Umfeld untermauern, hat die Asylbehörde nicht umgestimmt. Auch nicht, dass Adam bereits die Zusage für einen Arbeitsplatz hat. Doch arbeiten dürfte er nur mit einer Aufenthaltserlaubnis. Sorgen macht sich Adam Abdulchalimov auch um seine Mutter und die fünf minderjährigen Geschwister: "Wenn sie nach Tschetschenien zurückmüssen, werden meiner Mutter die Kinder abgenommen." Die Verwandten des Vaters hätten dies bereits angekündigt.
Jacha Abdulchamlimova holt derzeit beim Grazer Verein Isop den Hauptschulabschluss nach. Danach möchte sie die Handelsakademie anschließen und plant, ein Studium zu beginnen. "Ich weiß, dass ich es schaffen werde. Ich bin gut in der Schule", zeigt sich die junge Frau zielstrebig. Ihr Zukunftswunsch sind ein ordentlicher Beruf und ein "ruhiges Leben", wie es die Menschen hier führen: "Dort, wo ich herkomme, geht das alles nicht." Jetzt hofft die Familie, humanitäres Bleiberecht zu erhalten.
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FAKTEN
Zwischen 1999 und 2009 herrschte in der kaukasischen Republik Krieg. Rund 160.000 Menschen kamen ums Leben.
Das Land ist Teil der Russischen Föderation. Oberhaupt ist Ramsan Kadyrow, der den Wiederaufbau vorantreibt, dem aber auch Personenkult und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.














