13-köpfige Familie lebte von Drogen
Eltern schmuggelten sechs Kilo Drogen von Ungarn nach Graz. 19-jähriger Sohn half ihnen beim Verkauf. So verdiente sich die Grazer Familie ihren Lebensunterhalt.

Foto © APA/POLIZEISichergestellte Suchtmittel-Utensilien
Ein Haus in Graz-Straßgang: Im Garten spielen kleine Kinder, drinnen herrscht Chaos. Es ist unaufgeräumt und dreckig. Die 13-köpfige Familie wohnt inmitten von Drogen und Spritzen. Die Eltern Erika (38) und Robert (39) S. sind seit Jahren arbeitslos. Sie und ihre elf Kinder leben vom Drogenhandel.
Über das Internet bestellen Erika und Robert S. die synthetische Droge Pentedron, die erwachsenen Söhne (20 und 19 Jahre alt) sowie die 16-jährige Tochter helfen den Eltern beim Verkauf. Bis Jahresende 2011 ist das nicht strafbar.
Als Pentedron mit 1. Jänner 2012 verboten wird, fahren die Eltern nach Ungarn und kaufen es dort auf dem Schwarzmarkt ein. In der Nacht schmuggeln sie die Drogen über die Grenze. Nun machen der 20-jährige Sohn und die 16-jährige Tochter nicht mehr mit. Sie steigen aus. Die Eltern und Kevin aber ziehen einen schwunghaften Pentedron-Handel auf. Sie bringen von Anfang Jänner bis jetzt insgesamt sechs Kilo Drogen mit einem Straßenverkaufswert von 180.000 Euro unter das Volk.
Ihre Abnehmer kommen aus Graz, Graz-Umgebung, Leibnitz, Deutschlandsberg, Weiz, Fürstenfeld und Leoben. Das Geld wird zur Gänze ausgegeben, teils wird damit die Spielsucht von Kevin finanziert.
Mittwoch stürmen 13 Polizisten das Haus und stellen eine geringe Menge Pentedron, eine Waage, Spritzen und andere belastende Utensilien sicher. Das Ehepaar und der Sohn werden angezeigt. Die kleineren Kinder (ein, drei, vier, sieben, acht und zehn Jahre alt) werden den Eltern über Anordnung der Behörde abgenommen.
Tipp von Ladendieben
Die Ermittlungen gehen noch weiter, wie Manfred Pfennich vom Bezirkspolizeikommando Graz-Umgebung versichert. Anton Goschier, Inspektionskommandant-Stellvertreter in Seiersberg, lobt die Arbeit der Drogenfahnder. Christian Buchmann und Andreas Moser hatten monatelang ermittelt, ehe sie zuschlagen konnten. Ein Tipp von zwei Ladendieben, die Anfang des Jahres im Einkaufszentrum Seiersberg erwischt wurden, war der Auslöser. Die beiden Ladendiebe sind selbst drogenabhängig.
Später wurde dann auch der 19-jährige Kevin S. im selben Einkaufszentrum ertappt, als er ein Handy stehlen wollte. "Er hatte eine geringe Menge Drogen dabei", erinnert sich Fahnder Buchmann. Danach war die Familie observiert worden. Außerdem hatte die Staatsanwaltschaft eine technische Überwachung ermöglicht. Die Verdächtigen haben gestanden.
Features
Fakten
Pentedron ist eine psychoaktive Substanz und gehört zur Gruppe der Amphetamine. Der Stoff wird nicht nur eingenommen, sondern auch gespritzt.
Österreich versucht, dem Problem ständig neu auftauchender Substanzen zur Berauschung mit einer Verordnung Herr zu werden.
Das Gesetz sieht für Händler Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren vor.















