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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 um 18:08 UhrKommentare

Mit Herz und Seele ist sie für ihre Kinder da

Seit 30 Jahren ist Helga Schuller Kinderdorfmutter. Wächst die Familie um ein weiteres Kind, hat sie noch heute "Geburtswehen".

Foto © Susanne Preiss

Ein paar Kinder hüpfen im Trampolin, andere springen mit ihren Fahrrädern über eine kleine Schanze und ein paar düsen mit ihren Rollerskates durch die Gegend - am Dorfplatz im SOS-Kinderdorf in Pinkafeld ist an einem schönen Nachmittag so einiges los. Brauchen die Kinder zwischendurch etwas, rufen sie nach ihrer Mama. Unter anderem nach Helga Schuller, die seit 30 Jahren mit Herz und Seele Kinderdorfmutter ist.

Mama von sieben. Im Moment ist die 50-Jährige "Mama" von sieben Kindern und Jugendlichen, mit denen sie in einem der Häuser im Kinderdorf wohnt. Um eine so großen Kinderschar im Zaum zu halten, hat Schuller einiges zu tun. Frühstück vorbereiten, Schulbrote richten, die Kinder rechtzeitig zum Schulbus schicken, das Chaos im Haus zusammen räumen, kochen und putzen. Sind dann wieder alle zu Hause, werden die Hausübungen gemacht, Diskussionen geführt, Streite geschlichtet oder man fährt ins EO - so wie in einer ganz normalen Familie eben. Nur, dass die Vergangenheit der Kinder eine andere ist.

Insgesamt hat Schuller bereits 21 Kinder großgezogen. Bekommt sie ein neues Kind, sind ihre Gefühle aber noch immer wie beim ersten Mal. "Ich kann die Nacht davor oft nicht schlafen. Ist es so weit, stehe ich beim Fenster und bin genauso ängstlich und unsicher wie das Kind", erzählt die Kinderdorfmutter von ihren "Geburtswehen".

Familienurlaub. Weil viele Kinder ihre Vergangenheit erst verarbeiten müssen, werden einige in Therapien geschickt. Viele wurden von ihren richtigen Eltern vernachlässigt, einige sogar misshandelt oder missbraucht. Beim Reiten oder Malen versuchen sie ihre Geschichten zu bewältigen. Begleitet werden sie dabei von Therapeuten und Schuller. "Viele sind Bettnässer, weinen oder wollen in der Nacht bei mir schlafen", erzählt sie. Und bei vielen dauere es lange, bis sie ruhiger würden.

Familienurlaub. Gerne denkt Schuller an einen Familienurlaub am Neusiedlersee zurück. "Wir haben eine Urlaubsspende bekommen und waren auf einem Reiterhof", sagt die 50-Jährige. Die Kinder hätten sich sehr gefreut, dass die Familie gemeinsam etwas unternimmt. Vor einem Monat war die Mama mit ihrer Kinderschar deshalb auch in der Tierwelt Herberstein. Und damit das Einkaufen nicht zu kurz kommt, fährt sie ab und zu ins EO. Burschen und Mädchen getrennt, versteht sich. Denn: "Die Buben wollen nur zum Media Markt, meine Mädchen gehen lieber shoppen", schmunzelt Schuller.

Bereut hat die Kinderdorfmutter ihre Berufswahl nie. "Ich habe eine eigene Familie nie vermisst", erzählt sie. Schließlich kommen auch ihre ehemaligen Schützlinge immer wieder zu ihr zurück. Zu ihrem 50. Geburtstag ist Schuller in den Süden geflogen und hat alles Revue passieren lassen. "Ich bin einfach nur dankbar", meint sie.

Worauf sie sich jetzt freut? Auf die Ferien natürlich, denn da muss endlich keine Aufgabe gemacht werden.


Kinderdorf in Pinkafeld

Vor 60 Jahren gründete Hermann Gmeiner das erste SOS-Kinderdorf in Imst. Diese Gründung wird auch im Dorf in Pinkafeld gefeiert, und zwar am Samstag, dem 6. Juni, mit einem Dorffest.

Das SOS-Kinderdorf in Pinkafeld gibt es seit dem Jahr 1962.

Neben den SOS-Kinderdorf-Familien werden in Pinkafeld auch noch ein SOS-Kinderwohnen, ein SOS-Kindergarten, ein SOS-Jugendhaus, betreutes Wohnen sowie eine Mutter-Kind-Betreuung angeboten.

Zusätzlich gibt es die Beratungsstelle R4, in der es ein breit gefächertes Angebot an Erziehungs- und Familienberatung sowie Einzeltherapie gibt.

Auch die Mobile Familienarbeit Nord sowie die Mobile Familienarbeit Süd, die Familien betreut, gehören zum SOS-Kinderdorf.

Nähere Informationen unter Tel. (03357) 424 52-0 sowie unter pinkafeld@sos-kinderdorf.at.

Das SOS-Kinderdorf Burgenland hat auch ein Spendenkonto bei der Ersten Bank eingerichtet: Kontonummer: 485 100 766 00, BLZ 20 111.

Fakten

Helga Schuller wurde am 9. Mai 1959 geboren.

Seit 30 Jahren ist die heute 50-Jährige im SOS-Kinderdorf als Kinderdorfmutter tätig.

Schuller wohnt in Pinkafeld und hat keine eigene Familie.

Momentan ist sie Kinderdorfmutter von sieben Kindern: Michelle, Nina, Julia, Wolfgang, Philip, Charlie und Rickie.

Schuller hat bereits 21 Kinder groß gezogen.

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