Kernstock-Kapelle Pöllau: Distanz zum rechten Namensgeber
Die Kernstock-Kapelle Pöllau legt ihren umstrittenen Namen ab. Man will damit ein klares Zeichen setzen - auch für Hartberg. Jetzt heißt es auf Namenssuche zu gehen.

Foto © BrugnerFranz Ebner, Siegfried Rohrhofer und Christian Kullar suchen jetzt nach einem neuen Namen für die Kapelle
Im Gegensatz zu Hartberg, wo der Vorstoß der Grünen nach einer Umbenennung der Kernstock-Volksschule im Zuge der Generalsanierung abgeschmettert wurde, setzt die Kernstock-Kapelle nun einen mutigen Schritt. Man hat sich zu einer Namensänderung durchgerungen.
Im Vorfeld der Umbenennung hatte man den Grazer Historiker Uwe Baur zurate gezogen. Dieser ging klar auf Distanz zum umstrittenen Priesterdichter, der bis zu seinem Tod 1928 über Jahrzehnte seelsorgerisch auf der Festenburg wirkte. Baurs wenig schmeichelhaftes Urteil: "Kernstock steht für Kriegshetze, Deutschnationalismus und damit für ein Menschenbild, das mit den allgemeinen Menschenrechten nicht vereinbar ist. Im gegenwärtigen deutschen Sprachraum wird es nur noch von den Rechtsextremen geschätzt." Folglich plädierte Baur bei einer Versammlung der Kernstock-Kapelle für eine Umbenennung, wo doch diese im Gegensatz zu Kernstocks Ideologie auf Toleranz und Menschlichkeit setze. Ins selbe Horn wie Baur stößt die Pöllauer Studentin Margot Jeitler, selbst aktives Mitglied der Kernstock-Kapelle. Sie schrieb eine Seminararbeit über Kernstock, in der sie darauf hinwies, dass dessen Gedankengut eindeutig zur Gewalt auffordere.
Mehrheit für Änderung
Bei einer geheimen Briefwahl des Orchesters sprach sich die Mehrheit für eine Namensänderung aus. "Es gab 61 Ja-Stimmen und 39 Nein-Stimmen", sagt dazu der Obmann Siegfried Rohrhofer. Und im Nachsatz: "Ich kann verstehen, dass gerade unsere älteren Mitglieder gerne den Namen beibehalten hätten, da sie damit viele schöne musikalische Momente verbinden. Sie haben das Wahlergebnis aber akzeptiert. Ausgetreten ist deshalb keiner." Innerhalb der nächsten Wochen hofft Rohrhofer einen klingenden Ersatznamen gefunden zu haben. Erheitert meint er: "Marktmusikkapelle werden wir uns bestimmt nicht nennen. Auch nicht Raimund Ochabauer-Kapelle."
Glücklich über die Entscheidung zeigt sich auch Obmann-Stellvertreter Christian Kullar: "Damit dokumentieren wir, dass wir klar auf Distanz zu ewiggestrigem Gedankengut gehen und zukunftsorientiert arbeiten." Vorstand Franz Ebner pflichtet bei: "Wir sind keine Marschierer-Kapelle. Der Name Kernstock ist mit unseren ethischen Werten nicht vereinbar." Zugleich erhofft sich Ebner einen möglichen Impuls für die noch immer nach Kernstock benannte Volksschule in der Bezirksstadt Hartberg: "Für mich als Lehrer eine untragbare Namensbezeichnung."
Ehrenbürger Kernstock
Der Hartberger Kulturreferent Ludwig Robitschko kann die Ansicht nicht teilen. "Eine solche Diskussion hat für mich nicht oberste Priorität. Ich halte nichts davon, Teile unserer Geschichte einfach aus tagespolitischen Überlegungen auszulöschen. Kernstock gehörte einer anderen Epoche an, in der eben so gedacht wurde. Aus heutiger Sicht ist es leicht, darüber zu urteilen. Bis heute ist Kernstock, soviel ich weiß, Ehrenbürger von Marburg, der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt." Robitschko beteuert zugleich, dass das Thema bei der nächsten Kulturausschusssitzung auf der Tagesordnung stehe: "Ich verwehre mich keiner Diskussion."








