Von Malerei bis zur Mode mit Geruch
Viktor Franz Hess muss warten. Die Dauerausstellung über den Nobelpreisträger kommt nächstes Jahr. Heuer heißt es in Pöllau "Mensch ist Mensch".

Foto © Kleine Zeitung/Franz BrugnerIm Pöllauer Schloss werden heuer Werke der 40 Kursleiter der "Styrian summer art" gezeigt
In der ursprünglichen Zeitplanung hätte heuer der große österreichische Physiker Viktor Franz Hess, der als Entdecker der kosmischen Strahlung gilt, Einzug im Schloss Pöllau halten sollen. Dem ist aber nicht so.
Verzögerung. Aufgrund der Tatsache, dass man erst einen Teil der Ausstellungsexponate beisammen hatte, drückte man auf die zeitliche Verzögerungstaste. Bürgermeister Heribert Hirschegger dazu: "Da wir keine halben Sachen machen wollen, disponierten wir um. Statt Hess ist heuer im Schloss eine künstlerische Gruppenausstellung zu sehen."
"Mensch ist Mensch. Motor dieses Projektes - den Titel "Mensch ist Mensch" hat man in Anlehnung an das heurige Darwin-Jubiläumsjahr gewählt - ist die Grazer Künstlerin und Ausstellungsorganisatorin Michaela Zingerle. Sie hat in den beiden letzten Jahren zusammen mit Eftichia Schlamadinger auch die Sommerakademie "Styrian summer_art" im Naturpark Pöllauer Tal initiiert. Dieses den Tourismus belebende Workshop-Angebot für Hobbykünstler steht auch heuer wieder am Programm. Zingerle lud sämtliche Kursleiter von "Styrian summer-art", knapp 40 an der Zahl, ein, je ein Werk für die stilistisch breit gefächerte Ausstellung "Mensch ist Mensch, beizusteuern. Die Palette der gezeigten Arbeiten reicht von der klassischen Ölmalerei im realistischen Duktus über Videoscreens bis zu Recycling-Skulpturen und Modeentwürfen mit sozialkritischer Nahtführung.
Nicht ganz geruchsfrei. So heftet sich das Auge des Besuchers an Damenkleidern, die aus ausrangierten grauen Militärplanen geschneidert sind und aufgenähte Ochsenziemer als besonderes Accessoire tragen, fest. Die Pöllauer Tourismuschefin Steffi Schuster rümpft ob des Geruchs, den die Ochsenziemer absondern, etwas die Nase. "Das stinkt ja fürchterlich", zeigt sie keine Ambitionen, sich als mögliche Trägerin solcher Modelle, die kritische Pfeile auf die Tiernahrungsindustrie abschießen, zur Verfügung zu stellen.
Grunzender Glücksbringer. Eine erheiternde Note steuert die in Walkersdorf lebende junge Niederländerin Simone van Groenestijn mit einem lebensgroßen, niedlichen Schweinderl aus bemaltem Papiermache, das ob seiner vitalen Fröhlichkeit gegen jede Form der Schweinegrippe immun zu sein scheint, bei. Der grunzende Vierbeiner, bekanntlich auch ein symbolischer Glücksbringer, erweckt bei Hirschegger spontan große Sympathien. Schnell ist zwischen den beiden eine stille Freundschaft geschlossen. Daran sieht man, dass der Zugang zur zeitgenössischen Kunst nicht immer mit intellektuellen Sperrgittern verstellt sein muss, sondern auch über den Humor zu schaffen ist. Mit "Grunzi" im Arm lassen sich die Sorgen des politischen Alltags kurzzeitig vergessen.
Eigene Kreativität. Besucher der Ausstellung sind dazu eingeladen, ihre eigene Kreativität zu entdecken. Zu diesem Zweck hat man einen Atelierraum eingerichtet, wo man an der Staffelei seine künstlerische Ader freilegen kann. Bei Gruppenführungen passiert das unter Anleitung eines vor Ort weilenden Künstlers.
Mensch ist Mensch
Kunstausstellung "Mensch ist Mensch" im Schloss Pöllau.
Vernissage: 8. Mai, 18 Uhr.
Die Ausstellung dauert bis 26. Oktober. Sie ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Informationen und Anmeldungen beim Tourismusverband unter Tel. (0 33 35) 42 10.









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