Pöllau trennt sich von Turnhalle
Gemeinde Pöllau verkauft Ex-Sporthalle an Unternehmerfamilie und hofft 86.000 Euro fürs Budget zu erlösen. Vor elf Jahren sorgten frisch renovierte Turnerbund-Fresken an der Halle für Wirbel.

Foto © Thomas PilchZu einer Fusion ist Pöllau bereit, die Nachbarn verschreckt allerdings die Verschuldung der Gemeinde. Über den Verkauf der alten Turnhalle kommt nun wenigstens ein bisschen Geld herein
Die Marktgemeinde Pöllau trennt sich von der ehemaligen Sporthalle in der Remigigasse. Der Gemeinderat beschloss Donnerstagnacht einstimmig, die früher von der Schlosspark-Volksschule für den Turnunterricht genutzt Halle an den in derselben Gasse beheimateten Schmiedebetrieb Kimmelmann zu verkaufen, der dringend zusätzliche Lagerflächen benötigt. Kommt das Geschäft zustande, kann die finanziell angeschlagene Gemeinde durchatmen: 86.000 Euro fließen damit zusätzlich in den ausgezehrten Haushalt. Ein Gutachten hatte den Wert der Immobilie zuvor auf knapp diese Höhe geschätzt.
Bislang musste die Gemeinde für den Betrieb der Halle - vor allem für Strom - jährlich rund 5000 Euro in die Hand nehmen. Kosten, die nun ebenfalls wegfallen. "Das war wirtschaftlich einfach nicht mehr argumentierbar", sagt Bürgermeister Hans Schirnhofer (VP).
Fast alle Vereine, die die Halle zuletzt noch genutzt hatten, sind laut Schirnhofer inzwischen in andere Quartiere ausgewichen. "Der Verkauf ist für uns absolut sinnvoll", stimmt auch SP-Kassier Karl Wurzer zu. Überdies ermögliche man damit einem einheimischen Betrieb den Weiterbestand im Ortskern.
Renoviert
Mit dem Verkauf schließt die Gemeinde jedoch auch ein zweites, wenig ruhmreiches Kapitel: An Tür und Fassade der Halle prangen Symbole des deutschnationalen Turnerbundes, die von der Gemeinde vor gut elf Jahren mit viel Liebe zum Detail renoviert worden sind (siehe Faksimile links). Die Aufregung darüber war gewaltig, der damalige sozialdemokratische Bürgermeister musste heftige Kritik von der steirischen Jungen Generation einstecken. Das steirische Landesarchiv argumentierte, die Fresken seien erhaltenswert, unter Garantie keine Hakenkreuze und dürften ohne denkmalrechtliche Genehmigung gar nicht zerstört werden.
Dies scheint mittlerweile ausgeräumt zu sein. Man habe nachgefragt und die Auskunft bekommen, dass die Fresken jederzeit entfernt werden dürfen, versichert Schirnhofer.
Ob er das tun wird, weiß Schmiedemeister Anton Kimmelmann noch nicht. "Jetzt muss ich das Objekt erst einmal kaufen", sagt er zur Kleinen Zeitung. Verwenden will er die ehemalige Turnhalle jedenfalls als Lager für seinen Betrieb.













