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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2009 um 21:09 UhrKommentare

"Biologisch produziert, aber nicht zertifiziert"

Obwohl heimisches Obst zum Großteil den Kriterien für biologische Landwirtschaft entspricht, ist es nicht als solches zertifiziert. Importanteil bei Bio-Äpfeln bei 40 Prozent.

Foto © AP/Sujet

Nur drei Cent pro Kilo erhalten heimische Bauern heuer für konventionelles Pressobst (die Kleine Zeitung berichtete ausführlich). Der Preis für Bio-Streuobst liegt hingegen deutlich höher. Für dieses erhalten Obstbauern bis zu 20 Cent.

Der Großteil des heimischen Streuobstes entspreche auch den Bio-Kriterien, weiß Kammerobmann Johann Reisinger. Das "Bio Austria"-Gütesiegel dürfen aber nur Betriebe verwenden, die ihren gesamten Hof biozertifiziert haben. Auch Gastronomie-Betriebe, die sich zur Verwendung von Bio-Produkten verpflichten, können nicht "einfach konventionelle Produkte reinnehmen", wie Hotelchefin Ulrike Retter erklärt. Das biozertifizierte Seminarhotel war heuer auf Ware aus dem Ausland angewiesen, da "keine einheimischen Bio-Äpfel zu kriegen waren", so Retter.

Rund 40 Prozent habe der Importanteil bei den Bio-Äpfeln in der Steiermark bis zum vergangenen Jahr betragen, bestätigt Josef Renner, Geschäftsführer des Bioverbandes "Bio Ernte Steiermark". Ab dem kommenden Jahr müsse man aber nicht mehr auf Bio-Äpfel aus Neuseeland zurückgreifen, der Bedarf könne dann von heimischen Betrieben abgedeckt werden. "Es gibt rund um Weiz eine Gruppe neuer Bio-Bauern, die auf über 200 Hektar Bio-Äpfel anbauen." Zur Zeit befinde man sich in der Umstellungsphase. Dem Gerücht, dass für importierte Bio-Ware geringere Standards als für heimische Ware gelten, hält der Experte entgegen, dass alle Waren, die in die EU importiert werden, den EU-Richtlinien für biologischen Landbau entsprechen müssen.

Schnee von gestern

Manfred Hohensinner, Geschäftsführer des Obstvermarkters Frutura Vertriebs GmbH in Hartl betont, dass es "nahezu unmöglich" sei, verunreinigte Bio-Produkte auf den Markt zu bringen. "Dass der Bio-Bauer um 10 Uhr abends spritzt, ist Schnee von gestern", sagt Hohensinner. Die Nachfrage nach Bio-Produkten wird seiner Meinung nach weiterhin steigen, obwohl momentan durch das gestiegene Preisbewusstsein bei den Kunden gewisse Rückgänge spürbar seien.

Die weitaus geringeren Erträge im Bio-Landbau erklärt Johann Reisinger, Obmann der Landwirtschaftskammer Hartberg, anhand der Weizenproduktion: "Hat man im konventionellen Bereich acht bis zehn Tonnen Ertrag, muss man sich im Bio-Landbau mit drei bis vier Tonnen begnügen." Am ehesten würde sich die Bio-Zertifizierung für Nebenerwerbsbetriebe rechnen. "Mit kleinen Flächen kann man gutes Geld machen", so Reisinger.

CORNELIA KRÖpFL

Biobetriebe im Bezirk

Insgesamt gibt es 245 Bio-Betriebe im Bezirk Hartberg. Sie bewirtschaften gemeinsam insgesamt 3800 Hektar, das sind knapp zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Bezirkes.

Obst: In Hartberg stehen 18 Bio-Obstbauern stehen 194 Intensiv-Obstbaubetrieben gegenüber.

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