Das Land blieb der neuen Strom-Trasse fern
Die E-Wirtschaft und die Sozialpartner feierten am Freitag in Gleisdorf die neue 380-kV-Trasse. Das Land Steiermark blieb geschlossen der Festlichkeit fern.

Foto © Reuters340 Masten tragen die 380-kV-Leitung
Erleichterung, Genugtuung, vorsichtige Freude: Das war am Freitag der Tenor in einer kleinen Festzelt-Stadt neben dem neuen Umspannwerk Gleisdorf: Die Spitzen der E-Wirtschaft (Verbund, Energie Steiermark) beglückwünschten sich und die vielen Mitarbeiter zur Inbetriebnahme der 380-kV-Leitung, die von Zwaring über 100 Kilometer über gut zwei Dutzend Gemeinden nach Rotenturm im Burgenland führt. Die symbolische Eröffnung nahmen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, flankiert von Verbund-APG-Direktor Heinz Kaupa und Energie-Steiermark-Chef Oswin Kois vor.
Versorgungssicherheit
In den kurzen Reden war zwar viel die Rede von der Versorgungssicherheit der Steiermark durch die neue Steiermark-Leitung. Allerdings: Das Land Steiermark war offiziell überhaupt nicht vertreten. Minister Mitterlehner sprach aus, was wohl viele im Zelt dachten: "Ich hätte mir gewünscht, dass die Landesregierung vollzählig versammelt wäre."
Auch die Geschlossenheit der Sozialpartner (Industrie, Handel, ÖGB, Arbeiterkammer, Landwirte) konnte nicht hinwegtäuschen, dass das Projekt gut zwei Jahrzehnte das Land in Atem gehalten hatte. David Bevölkerung gegen Goliath Verbund, hieß das Match. Planungen, Umplanungen, Gutachterkriege, eine Volksbefragung, zahllose Proteste, eine um fangreiche, aber trotzdem umstrittene Umweltverträglichkeitsprüfung liegen hinter Projektleitern und Mitarbeitern und lassen ausgelassenen Jubel nicht recht aufkommen.
Die Sozialpartner betonen die Bedeutung der Leitung für Land und Leute, für den Standort Steiermark und die Arbeitsplätze. "Man muss auch den Betroffenen danken" - so klingt es nur halbherzig in den jeweils letzten Sätzen der vielen Redner. Punkt 11.20 Uhr geht dann die Leitung in Betrieb. Strom, getrieben von 380.000 Volt Spannung, fließt nun über 98 Kilometer Leitungstrasse, über 340 Masten mit einer Durchschnittshöhe von 46 Metern, über 2070 Kilometer Leitungsseile und 14.000 Isolatoren. Kosten: 200 Millionen Euro, 46 Millionen Wertschöpfung blieben in der Steiermark. Der geplante Österreich-Höchstspannungs-Ring ist aber noch immer nicht fertig. Salzburg fehlt. Das sind die Fakten. Die betroffene Bevölkerung selbst - sie fehlt an diesem Tag. Sie ist nicht eingeladen, kommt auch nicht zum Protest.
Features
Ex-Verbund-Chef
380-kV-Leitung
Die ersten Überlegungen zu einem 380-kV-Ring stammen aus dem Jahr 1981. Ende der 80er-Jahre wurde politisch das steirische Projekt gestoppt.
Ab Mitte der 90er-Jahre wurde das Projekt wieder verfolgt. Doch erst 2007 konnte mit dem Bau begonnen werden. Seit Juni gibt es einen Probebetrieb.










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