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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2011 um 05:55 UhrKommentare

Kindergartenpädagoginnen: "Tanten gibt es nicht mehr"

Aussagen des Gemeindebundes erzürnen die Kindergartenpädagogen. Es geht um eine Ausbildung auf Hochschulniveau, welche die Kommunen in der Folge mehr kosten würde.

Bloß spielen, singen, basteln? Der Kindergarten ist längst auch eine Bildungseinrichtung

Foto © APA/SujetBloß spielen, singen, basteln? Der Kindergarten ist längst auch eine Bildungseinrichtung

Mit einer brisanten Aussage ließ Helmut Mödlhammer, Präsident des Österreichischen Gemeindebunds, aufhorchen. "Ehrlicherweise halte ich die Debatte um die Akademisierung für überflüssig", sagte er. Er sprach von den Kindergartenpädagoginnen (in dem Beruf sind nur ein Prozent Männer). Hinter diesen Worten steckt vor allem ein finanzieller Gedanke - die Gemeinden müssen als Träger vieler Kindergärten auch für die Kosten aufkommen. Der steirische Gemeindebundpräsident Erwin Dirnberger teilt Mödlhammers Meinung. "Ich sehe die Notwendigkeit nicht, wichtig ist der Zugang zum Kind", sagte er. Beide erklärten, die Ausbildung sei ohnehin auf sehr hohem Niveau.

Unterschiedliche Löhne selbst in der Steiermark

Kindergartenpädagoginnen verdienen selbst innerhalb des Landes - je nach Anstellungsverhältnis - sehr unterschiedlich. Kindergartenpädagoginnen in Gemeinden steigen mit einem Bruttogehalt von 1658,40 Euro (öffentlich-rechtliche) bzw. 1695,5 Euro (Vertragsbedienstete) ein. Nach 20 Dienstjahren verdienen Erstere 3273,30 Euro, Zweitere 3353,90 Euro. In Graz steigen Kindergärtnerinnen mit 1865,40 Euro ein und verdienen nach 20 Jahren 3634 Euro. Angestellte in Privatkindergärten erhalten im ersten Jahr 1822,60 Euro und nach 20 Berufsjahren 2204,60 Euro.

Tatsächlich entscheiden in Österreich junge Menschen mit 14, ob sie später im Kindergarten arbeiten wollen. Nach der Matura stehen sie bereits im Beruf - viel früher als in den meisten anderen EU-Ländern, die ihre Systeme schon reformiert haben. Die geplante neue Lehrerausbildung in Österreich soll daher auch die Kindergartenpädagogen mit einbeziehen - mit einer gemeinsamen Studien-Anfangsphase.

Für viele sind die Stimmen aus dem Gemeindebund ein Affront. "Das ,neue' Berufsverständnis in den letzten zwei Jahrzehnten hat wenig mit dem zu tun, was sich viele Bürgermeister vorstellen", teilt die Elementarpädagogik-Plattform EduCare mit. Auch die steirische Berufsgruppen-Vorsitzende Waltraud Hösele sagt: "Die sogenannten Tanten gibt es nicht mehr, die ein bisschen spielen. Die Anforderungen sind ganz andere." Sie fordert auch bessere Rahmenbedingungen - vor allem kleinere Gruppen (bei Kindergartengruppen derzeit 25 Kinder).

Die Gemeinden und ihre Bürgermeister fürchten nun, dass die steigenden pädagogischen Anforderungen sich in höheren Gehältern niederschlagen werden. Würden die akademisierten Kindergärtnerinnen etwa dem Niveau der Volks- und Hauptschullehrer angeglichen werden - Einstiegsgehalt also 1888 Euro (brutto) -, müssten die Gemeinden 230 Euro zum Gehalt der Kindergärtnerinnen drauflegen. Zwischen den Bundesländern tun sich ohnehin erhebliche Gehaltsklüfte auf.

Unübersichtlich

Wie unübersichtlich sich die Situation in der Kindergartenpraxis darstellt, zeigt das Beispiel der Gemeinde Zwaring-Pöls bei Graz. Dort gibt es zwei Kindergartengruppen: Die Pädagoginnen der einen Gruppe werden nach dem öffentlich-rechtlichen Tarifschema bezahlt, die andere gemäß Kollektivvertrag der Privatkindergärten. "So sind wir flexibler, etwa in den Ferien", sagt VP-Bürgermeister Ernst Gödl.

HELMUT BAST, SONJA HASEWEND

Waltraud Hösele, Dachverband der Kindergartenpädagogen

1. Was sagen Sie zu den Aussagen des Gemeindebund-Präsidenten, eine Ausbildung auf Hochschulniveau sei nicht nötig?

WALTRAUD HÖSELE: Es verwundert mich. In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Kindergarten wesentlich zur frühkindlichen Bildung beiträgt. Reformen sind dringend nötig. Da sich junge Menschen prinzipiell nicht mit 14 für einen Beruf entscheiden, ist eine Ausbildung auf tertiärem Niveau anzustreben.

2. Wie sehen Sie die Ausbildung im Europa-Vergleich?

HÖSELE: Österreich steht hinten an. Außer in Malta ist die Ausbildung EU-weit auf Hochschulniveau. Es muss auch die Chance geben, leichter in andere pädagogische Berufe zu wechseln.

3. Wie bewerten Sie die Bezahlung in diesem Beruf?

HÖSELE: Diese ist ein Grund, dass viele ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen sich nicht für den Beruf entscheiden - der Mangel ist vor allem in Wien bereits eklatant. Die beruflichen Anforderungen korrelieren nicht mit der Bezahlung.

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