Wahlkampf: Männer unter sich
Mangelware Politikerin: Die Spitzenkandidatinnen der einzelnen Parteien kann man an einer Hand abzählen - mit einer Ausnahme: die Grünen. Am schlechtesten schneidet traditionell die ÖVP ab.

Foto © ScheriauUrsula Rauch: eine Verteterin der raren Spezies Bürgermeisterin
Die Frauen sind klar in der Mehrheit - allerdings nur unter den Wahlberechtigten. Am 21. März dürfen in Graz-Umgebung 59.994 Frauen und 56.656 Männer ihre Gemeinderäte wählen. Bei den Wahlvorschlägen der einzelnen Parteien dreht sich dieses Verhältnis meist dramatisch. Im Wahlkampf sind die Männer fast unter sich.
Traditionell am schlechtesten ist hier die ÖVP aufgestellt. Lediglich vier ihrer 57 Spitzenkandidaten sind weiblich - das entspricht einem Frauenanteil von sieben Prozent. Ernst Gödl, Vize-VP-Chef in Graz-Umgebung und selbst Bürgermeister von Zwaring-Pöls, hat aber eine Erklärung dafür: "Für Frauen ist es leichter, die mittlere Ebene, etwa die Gemeinderatsebene, einzunehmen. Bei Führungsfunktionen tun sie sich schwer. Männer haben eben den direkteren Zug zur Macht."
Männerdomäne
Ähnlich düster schaut es bei der SPÖ aus. Lediglich 7 von 53 Spitzenkandidaten sind weiblich. SP-Bezirkschef Günther Kräuter verweist auf Skandinavien: "Dort sind schon viele Frauen in der Lokalpolitik tätig. Das kommt auch verstärkt zu uns." Bei uns sei Lokalpolitik halt eine starke Männerdomäne. Weibliche Vorbilder brechen sie aber immer mehr auf.
Als Männerpartei präsentiert sich auch die FPÖ. In 37 GU-Gemeinden treten die Blauen an, nur in drei wirbt eine Spitzenkandidatin - in Gratkorn, Gratwein und Röthelstein. "Wir gehen nicht künstlich auf Frauensuche. Bei uns entscheiden die Ortsgruppen selber", so Mario Kunasek, FP-Bezirksobmann in Graz-Umgebung. Aber: "Wenn Frauen da sind, die auch kandidieren wollen und sich durchsetzen", seien sie natürlich willkommen.
Dass es auch anders geht, zeigen die Grünen vor. In den 23 Gemeinden, in denen sie kandidieren, haben sie elf Frauen an der Spitze. "Das funktioniert eigentlich von selbst. Wir brauchen keine Quoten für Frauen oder Männer als Druckmittel", sagt Pressesprecher Bernd Hadler. Der ausgeglichene Anteil sei vielmehr "Ergebnis jahrelanger, konsequenter Arbeit. Bei uns sind schließlich viele Frauen in repräsentativen Funktionen tätig - von der Bundeschefin Eva Glawischnig abwärts."
Bei den Orangen ist Marina Schenk als Einzelkämpferin unterwegs. Die BZÖ-Nationalratsabgeordnete kandidiert als einzige Frau in ihrer Heimatgemeinde Semriach. Alle anderen zehn orangen Spitzenkandidaten sind Männer.
Bei der KPÖ sind die beiden Kandidaten in Frohnleiten und Peggau männlich.
Features
Anteil der Frauen
ÖVP: Von 57 Spitzenkandidaten sind vier Frauen - das entspricht einem prozentuellen Anteil von 7 Prozent.
SPÖ: In den 53 Gemeinden kandidieren sieben Frauen als Listenerste. Das sind 13,2 Prozent.
FPÖ: Drei Spitzenkandidatinnen stehen 34 Männern gegenüber - 8,1 Prozent.
Grüne: 23 Kandidaturen, davon elf Frauen - 47,8 Prozent.
BZÖ: Eine aus elf - 9,1 Prozent.









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