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Zuletzt aktualisiert: 30.08.2009 um 13:08 UhrKommentare

Andritz versank in den Fluten

Mit Lautsprechern versuchte die Polizei noch zu warnen. Doch der Schöckelbach stieg rasend schnell:

Schutzwall gegen die Wassermassen

Foto © APASchutzwall gegen die Wassermassen

So schlimm ist es nicht einmal am 19. Juli gewesen", zeigt sich ein Anrainer fassungslos. An dem Tag, als das Siedlungsgebiet rund um den Schöckelbach in Graz-Andritz buchstäblich unter Wasser stand und Riesenschaden an Wohnhäusern und Gärten entstanden war. Doch die Fluten in der Nacht auf gestern waren noch um ein Vielfaches ärger.

Das Unwetter ging um 1 Uhr früh los. "Wir sind sofort mit dem Streifenwagen mit Blaulicht durch alle Gassen gefahren und haben über Lautsprecher die Leute gewarnt", erzählt Albert Celbulka, stellvertretender Kommandant der Polizeiinspektion Andritz. "Doch alles ist so schnell gegangen - und getroffen hat es wieder die, die im Juli schon überschwemmt wurden."

Binnen Minuten war der Schöckelbach um 60 Zentimeter angestiegen, die Flutwelle durchbrach die schon am Vortag errichteten Sandsackwälle der Feuerwehr, schoss durch Gottlieb-Remschmidt-Gasse, Geißlergasse, Haberlandtweg und Zelinkagasse und breitete sich von dort noch weiter aus.

10.000 Blitze

In der ganzen Steiermark zuckten rund 10.000 Blitze im Nachthimmel auf, im Großraum nördlich von Graz/Weiz bis zum Burgenland entluden sich rund 3600 Blitze.

Keller und Tiefgaragen wurden überflutet, vor den Häusern geparkte Autos standen bis zur Windschutzscheibe unter Wasser. Auf Straßen, Radwegen, Wiesenflächen schossen den Anrainern die Wassermassen entgegen. Um 2.30 Uhr früh musste schließlich auch die Radegunder Straße zur Gänze gesperrt werden. Zu diesem Zeitpunkt standen 150 Mann der Grazer Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Graz mit ihrem gesamten Fuhrpark schon seit Mitternacht im Hochwassereinsatz. "Beim letzten Hochwasser in Andritz waren vor allem die Keller betroffen gewesen. Diesmal drang das Wasser in die Wohnräume im Parterre", schildert Heimo Krajnc von der Berufsfeuerwehr. Sieben Familien

mussten ihre Häuser verlassen, sie wurden vorläufig in einem Hotel untergebracht. "Denn es ist unzumutbar, dort jetzt wohnen zu müssen, für die Kosten kommt die Stadt Graz auf", betonte Bürgermeister Siegried Nagl.

Der Stadtchef hatte sich mit dem Bezirksfeuerwehrkommandanten Otto Meisenberger und den Einsatzleitern der Feuerwehren um 4 Uhr früh im Katastrophengebiet eingefunden, um sich selbst ein Bild zu machen. "Um 10 Uhr vormittags habe ich Katastrophenalarm ausgerufen", erzählt Nagl, "das war schon zum dritten Mal in diesem Sommer. Und er stellte sich gestern dem Zorn der Andritzer, die nach 2005 und heuer im Juli schon zum dritten Mal Opfer der Fluten des Schöckelbaches geworden sind. Nagl versteht "die Wut und die Verzweiflung der Menschen". Seit 2005 kämpfen die Bürger darum, dass sie endlich einen entsprechenden Hochwasserschutz bekommen. Erst vor zwei Wochen haben die Anrainer eine Demonstration organisiert.

Nagl sagt Entschärfung zu

Der Grazer Bürgermeister gesteht ein: "Sie haben recht, wenn sie diese Maßnahmen einfordern!" Und er verspricht erneut, die endgültige Sanierung des Schöckelbaches samt dem dringend benötigten Rückhaltebecken in Weinitzen zu forcieren: "Am Montag sind alle Experten bei mir am Tisch." Nächste Woche will er auch eine Bewilligung für den zweite Bauabschnitt erwirken: "Doch noch sind hier zwei Eigentümer nicht bereit, Grund abzutreten."

DANIELE MARCHER, BERND HECKE

Kommentar

BERND HECKEHochdruck von BERND HECKE

Niederschlagssummen von Freitag bis Samstag in mm

Grafik © ZAMG

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Insgesamt waren im Bezirk Graz-Umgebung 20 Feuerwehren mit 250 Einsatzkräften mit diesem nächtlichen Unwetter beschäftigt.

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