Illegale Millionengeschäfte mit Abfall
Der illegale Handel mit Altautos blüht. Eine mafiaähnliche Organisation schreibt Millionengewinne. Die Wracks werden in der Steiermark gekauft, zerlegt und nach Afrika geliefert.

Foto © KKAuch dieser Schrott-LKW stand auf einem illegalen Sammelplatz
Die mobilen steirischen Zolleinheiten sind einer großen Organisation auf der Spur, die einen schwunghaften Handel mit Altautos und gefährlichem Abfall betreibt. Afrikaner kaufen die Wracks im Schnitt um 100 bis 150 Euro bei uns ein, stellen sie auf illegalen Lagerplätzen ab und zerlegen sie. Mit Schwertransportern wird die Fracht nach Antwerpen oder Hamburg gebracht und nach Afrika verschifft. Ghana und Nigeria sind die Hauptabnehmer des Abfalls. Der Zoll reagiert mit Razzien und Schwerpunktaktionen.
96 Tonnen Autoabfall
Erst vorige Woche wurde in Unterpremstätten ein Sammelplatz mit 70 Autowracks ausgehoben. "Autobatterien, Motor- und Getriebeblöcke, aber auch nicht ausgebaute Airbags und Reifen gelten als gefährliche Abfallstoffe", erklärt Amtsdirektor Siegfried Schantl. Jetzt ist die Bezirkshauptmannschaft am Zug. Die Behörde hat dringenden Handlungsbedarf, denn wie fast alle Lager- oder Sammelplätze ist auch der in Unterpremstätten illegal.
Gleich vier Container, vollgestopft mit 96 Tonnen Autoabfall, wurden im Dezember und Jänner im Terminal in Werndorf sichergestellt. Der "Müll" wurde einer gesetzeskonformen Entsorgung zugeführt. Die Ladungen waren ebenfalls für Afrika bestimmt.
Immer wieder würden Schwertransporter mit Autoteilen und gefährlichen Abfällen unterwegs von der Polizei oder den Zolleinheiten abgefangen, weiß Thomas Hansa, Koordinator für Betrugsbekämpfung im Grazer Zollamt. Er vermutet aber, dass die meisten ihr Ziel erreichen. "Mit unseren Razzien verhindern wir aber, dass die illegalen Transporte die Sammelplätze verlassen."
Durch ihre Aktionen haben die Beamten der mobilen Zolleinheiten einen tiefen Einblick in die Struktur der Organisation erhalten. "Sie sind mafiaähnlich", sagen die beiden Experten übereinstimmend. Die Hauptdrahtzieher sitzen in Afrika und nehmen dort nicht nur die Bestellungen entgegen, sondern kassieren auch die Vorauszahlungen. Sie geben die Aufträge an ihre in der Steiermark lebenden Landsleute weiter. Diese kaufen die Altautos und bereiten die Ladungen vor. In Antwerpen und Hamburg sitzen Verbindungsleute, die die Verschiffung organisieren.
Auf diese Weise werden Millionengewinne erzielt. Hansa: "Aus den Teilen von zehn Autos werden in Afrika fünf Fahrzeuge zusammengebaut. Das übrige Material wird weggeworfen. Eine enorme Umweltbelastung."
Verbotener Mülltransport
Aber nicht nur der illegale Handel mit Altautos ist in den Fokus des Zoll gerückt: Auch die Verbringung von Hausmüll und von Schrott wird verstärkt kontrolliert, zumal auch damit dunkle Geschäfte gemacht werden. Viele Transporte gehen illegal in osteuropäische Länder und nach Asien verbracht. Siegfried Schantl: "Dadurch gehen dem Staat nicht nur die Altlastenbeiträge verloren - in den heimischen Verbrennungsanlagen mangelt es an Brennmaterial und in der Stahlerzeugung geht langsam der feste Rohstoff aus. Das wiederum gefährdet Arbeitsplätze. Und in Asien müssen die Kinder unseren Müll sortieren."







