Fall Eurosuccess: Erste Verhaftung
Österreich-Geschäftsführer landete wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung" in U-Haft. Seit 2008 liefen die Ermittlungen, wurden unzählige Personen einvernommen, Konten im In- und Ausland geöffnet.

Foto © Fotolia/Dariusz Kopestyn Success (Erfolg) hatte nur die oberste Schicht, die unteren zahlten ein - teilweise mittels aufgenommener Kredite
Seit 2008 liefen die Ermittlungen, wurden unzählige Personen einvernommen, Konten im In- und Ausland geöffnet und mit Behörden in Deutschland, der Schweiz, Slowenien und Liechtenstein zusammengearbeitet. Nach drei Jahren intensivster Arbeit der Betrugsgruppe des Landeskriminalamtes (Reinhard Gartner, Volker Pöschl) und des ermittelnden Staatsanwaltes Wolfgang Redtenbacher gab es jetzt einen Paukenschlag:
Kriminell
Thilo S. (42), deutscher Staatsbürger und seit 2007 offiziell Geschäftsführer der "Eurosuccess MLM GmbH in Unterpremstätten, wurde Donnerstagvormittag in der Nähe von Graz verhaftet - wegen Verdachts der Bildung einer kriminellen Organisation. Mittlerweile musste der Deutsche seine Luxuswohnung gegen eine Zelle in der Justizanstalt Graz-Jakomini tauschen, sein Luxuswagen, ein Hummer, wurde sichergestellt.
Die Firma Eurosuccess, 2004 in Deutschland gegründet, bot seit 2007 sogenannte Geldlehrgänge in Unterpremstätten und später auch in Gleisdorf an. Für 5900 Euro erhielten die Teilnehmer Seminare und Unterlagen über Investitionsmöglichkeiten, Börsenaktivitäten, Lifestyle und dergleichen, doch vor allem wurde ihnen ein rascher Geldgewinn versprochen. "Sie mussten dafür weitere Neukunden dem Gewinnerwartungssystem zuführen", berichtet Ermittler Reinhard Gartner. Ein System, das auffallend an bekannte Pyramidenspiele erinnert.
Mögliche Kunden wurden durch Bekannte zu einem vorerst unverbindlichen Gespräch eingeladen, mit einem Auto zur noblen Veranstaltung abgeholt, mussten sich an eine Kleiderordnung halten - und dann binnen 48 Stunden ins System einsteigen, wozu viele regelrecht gedrängt worden sein sollen. Wie viele Österreicher und auch Slowenen - sie wurden busweise nach Unterpremstätten gekarrt - jeweils 5900 Euro in das vermeintliche Erfolgssystem investiert haben, muss erst geklärt werden. Es sollen jedoch mehrere Millionen Euro ins Ausland geflossen sein. Von 2007 bis 2009 war demnach die Hochblüte von Eurosuccess in Österreich, 2010 flachte das Interesse ab: Der Markt war "abgegrast", eine Verlagerung nach Südosteuropa begann.
Mit der Verhaftung des Geschäftsführers sind die Ermittlungen der Kriminalbeamten aber noch lange nicht abgeschlossen - jetzt wird die nächste Ebene der "Pyramide" ins Visier genommen. Denn manche der rasch ins System Eingestiegenen sollen hunderttausende an Provision kassiert haben. Mit weiteren Verhaftungen im In- und Ausland ist zu rechnen.
Features
Info
Eurosuccess wurde 2004 in Deutschland gegründet und 2007 nach Österreich "exportiert". Mittlerweile gibt es ein Geflecht weiterer Firmen mit Sitzen in der Schweiz, Lichtenstein und Gibraltar, die teilweise unter anderen Namen laufen.








