Geschwister nach 46 Jahren vereint
Durch einen Bericht in der Kleinen Zeitung fanden sich die Magd Martina Moik und ihr Bruder nach langer Zeit wieder. Jetzt suchen sie weitere Geschwister.

Foto © Elmar GubischMartina Moik und ihr Bruder Wolfgang Spath
Normalerweise kennt man solche Szenen nur aus Märchenbüchern und inszenierten Fernseh-Shows. Vor 46 Jahren wurden die Geschwister Wolfgang und Martina Moik getrennt und auf verschiedene Bauernhöfe aufgeteilt. Seit vergangenen Sonntag sind die beiden wieder vereint. Wolfgang stand - aufgrund des Berichts in der Kleinen Zeitung - plötzlich vor der Haustür.
Durch die Medien. Die Geschichte der Magd Martina Moik (55) geht seit Jahresbeginn durch die Medien. Sie hatte auf einem Bauernhof im Bezirk Deutschlandsberg geschuftet, von der Bäuerin selbst besachwaltert, untergewichtig und verwahrlost. Kurz vor Weihnachten war sie zu einem Pflegeplatz gebracht worden, und jetzt, fast ein halbes Jahr später geht es ihr bereits so gut, dass sie in eine betreute Wohnung siedelt. Doch der Bericht über die Geschichte einer Magd, die als Kind wie auf einem Jahrmarkt verschenkt worden war, rüttelte noch eine ganze Menge anderer Erinnerungen wach.
Bruder hatte Glück. Jene von Wolfgang Spath (49), Familienvater aus Unterpremstätten, zum Beispiel. "Ich habe nicht gewusst, dass ich eine Schwester habe", sagt der Mann. "Ich wusste nur, dass ich einmal Moik geheißen habe und im Alter von drei Jahren von einem Pflegeplatz geholt wurde. Man zeigte mit dem Finger auf mich und sagte ,Den nehmen wir'. So wird mir das heute erzählt." Der Mann hatte damals Glück. "Ich kam zu tollen Zieheltern und hatte eine großartige Kindheit."
Zeitungsfoto. Vor ein paar Monaten begann Spath nach seiner leiblichen Mutter zu suchen. Alles, was er herausfand, war, "dass sie in Wien gestorben ist. Eine Schwester wohl auch." Vergangenen Sonntag las er dann den Bericht in der Kleinen Zeitung, "und als Onkel Sepp, der Bruder meines Ziehvaters, das in dem Bericht gezeigte Foto betrachtete, traf uns fast der Schlag. Der Bub, das bin ich, und das Mädchen dahinter, im Kreis, das ist meine Schwester." Die Magd Martina Moik.
Suche nach Geschwistern. Als er dann Stunden später vor ihr stand, war die Freude gewaltig. Martina Moik erinnert sich an den kleinen Bruder und grinst. "Den Fernseher hat er runtergeschmissen, das weiß ich noch. Und eine Zwiederwurzn war er." Martina war neun, als ihr der Bruder weggenommen wurde. Wie viele weitere Geschwister und Halbgeschwister die beiden noch haben, das versuchen sie nun herauszufinden. "Ich bin jedenfalls erschüttert darüber, was meine Schwester durchmachen musste. Sie tut mir unendlich leid und ich ärgere mich wahnsinnig über meine eigene Mutter. Wie konnte sie uns so etwas antun?"
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Was damals geschah
Die Steirerin Johanna Moik dürfte ihre Kinder in mehreren Pflegeplätzenuntergebracht haben. Die Kinder verloren den Kontakt zueinander.
Martina Moik wurde im 17. Lebensjahr von Bauern abgeholt. Sie war zuletzt laut Pflege-Sachverständigen verwahrlost, abgemagert und krank. Demnächst bezieht sie eine betreute Wohneinheit.
Bruder Wolfgang wurde acht Jahre vorher, im Jahr 1963, von einem Unterpremstättner Landwirt abgeholt. Er durchlebte eigenen Angaben zufolge eine "wunderschöne Kindheit und Jugend".
Jetzt suchen die beiden nach ihren Geschwistern Helene und Uschi.









