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Zuletzt aktualisiert: 10.06.2011 um 19:22 UhrKommentare

Die Tore zur Toleranz

Abseits der Normen: Henning Mankell schrieb für die Firma Gaulhofer ein Theaterstück, das auf dem Firmengelände uraufgeführt wurde.

Henning Mankell

Foto © APHenning Mankell

Angenehmer Duft von Holz liegt in der Luft. Scharen von Menschen bewegen sich vom Parkplatz des Fenster- und Türenherstellers Gaulhofer in Übelbach auf den Platz vor der Halle zehn. Alte und junge Menschen unterhalten sich angeregt. Menschen in feinen Anzügen oder in legeren Pullovern. Irgendwo ist der schwedische Autor Henning Mankell. Sekt und Brötchen werden hinter einer Holz-Paletten-Bar zubereitet.

Henning Mankells Stück "Doors" feiert hier seine Uraufführung. Der schwedische Autor hat dieses Stück für die Firma Gaulhofer geschrieben. Sieben Arbeiter der Firma haben gemeinsam mit Lucrecia Paco und Jorge Vaz vom "Teatro Avenida" aus Mosambik das Stück in einem dreiwöchigen Workshop erarbeitet. "Es ist uns wichtig, den Angestellten zu zeigen, dass sie uns als Person alle gleich wichtig sind", sagt Manfred Gaulhofer nach der Aufführung. "Sehr bewegend", bewertet Mankell, als der Beifall langsam abklingt, "Sie werden so etwas nie wieder sehen."

"Holzarbeit ist eine angenehme Arbeit", erklärt ein Besucher seiner Begleitung, als sich die Besucher in die Halle drängen. Sechs Türen sind auf der Bühne aufgebaut. Ein Darsteller spaltet Holzscheit um Holzscheit. Das Klopfen flankiert das Stimmengewirr im Saal, bis sich das Licht der Bühne zuwendet. Dann ist eineinhalb Stunden bis auf einige Lacher aus dem Publikum nichts zu hören. Gebannt wird auf die Schauspieler aus Mosambik geblickt, die die Laien gemeinsam mit Regisseur Domique Schnizer mit viel Geschick führen.

Zwei Afrikaner landen in Graz. Ohne Geld und Arbeit, ohne Wohnung - aber ein Kind erwartend. Auf der Suche nach Job und Bleibe begegnen sie senilen "Wir kaufen nichts"-Sagern, rassistischen Polizisten und ängstlichen "Des san jo echte Neger"-Rufern. "Wahrscheinlich kennt Henning Mankell die Österreicher so gut, weil er 2003 ,Butterfly Blues' selbst inszeniert hat und eine Zeit lang hier gelebt hat", schmunzelt Manfred Gaulhofer nach einem Stück, das viele Tore öffnet. In Richtung Toleranz.

CLEMENS TICAR

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