"Als ob die Welt untergehen würde"
Muren, Hagelschäden, Überschwemmungen: Auch am Freitag waren die Folgen der Unwetternacht noch zu sehen. Bei Ranten waren 20 Urlauber in Feriendorf eingeschlossen.

Foto © LR JaukKleinstübing: Riesige Hagelkörner
Für Sonja Jauk aus Kleinstübing war es "Weltuntergangsstimmung", als Donnerstagabend der Hagelsturm über ihr Haus hereinbrach. "Es hörte sich an wie Schüsse aus Maschinengewehren, ohrenbetäubend", schildert sie. Gut zehn Minuten hämmerten Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle auf die Dachfenster, sodass Jauk mit ihrem Mann und den beiden Kindern sicherheitshalber sogar in den Keller flüchtete.
Die enormen Schäden registrierte sie erst, als das Gewitter abgezogen war. "Das blecherne Postkastl ist total zerbeult, die 20.000 Euro teure Poolüberdachung durchlöchert", klagt Jauk. Wie sie knabberten gestern viele Steirer an den Folgen der Gewitternacht. Allein in Leoben standen rund 50 Keller unter Wasser, auch im Einkaufszentrum LCS war das Wasser an mehreren Stellen eingedrungen. Der Hagel lag bis zu 30 Zentimeter hoch auf den Straßen. "Viele Autofahrer flüchteten vor dem Hagelschauer unter das Dach der Tankstelle, so auch ich", berichtete Leserreporter Christoph Greitler aus St. Peter-Freienstein. Jene, die es nicht mehr schafften, haben demnächst einen Termin beim Autospengler.
Auch aus anderen Orten aus dem Bezirk wurden Überflutungen gemeldet. So stand etwa ein Supermarkt in Traboch unter Wasser, Ausläufer der Gewitterzelle führten in Kammern und Kraubath zu Feuerwehreinsätzen.
Wo es nicht hagelte, sorgten Blitze und Wolkenbrüche für Ungemach. In St. Lorenzen im Paltental (wo auf den Tag genau im Vorjahr schon ein schweres Unwetter niedergegangen war) schlug ein Blitz in einen Kamin ein, herabfallende Trümmer beschädigten mehrere Autos. In Pusterwald und Bretstein gingen mehrere Muren ab und verlegten Gemeindestraßen.
In weiterer Folge zog das Gewitter Richtung Süden und Westen weiter. Ein Blitz setzte in Pichl bei Preg (Bezirk Knittelfeld) ein etwa einen Hektar großes Waldstück in Brand. Die Feuerwehren Preg, St. Lorenzen, St. Margarethen, Apfelberg und Knittelfeld waren mit insgesamt 60 Feuerwehrleuten und schwerem Atemschutz im Einsatz um ein Übergreifen auf den angrenzenden Wald zu verhindern.
A2 kurzfristig gesperrt
Die Südautobahn (A2) zwischen Pack und Steinberg in der Weststeiermark und die Pyhrnautobahn (A9) bei Übelbach mussten kurz gesperrt werden. Im Wechselabschnitt der A2 an der Grenze zu Niederösterreich und zum Burgenland herrschte Aquaplaninggefahr.
In Übelbach, Gratkorn und Frohnleiten sorgte der Hagel für enorme Probleme, mehrere Dächer sollen beschädigt worden sein, immer wieder fiel die Stromversorgung aus. Auch kleinere Muren gingen ab, ein Bach bahnte sich seinen Weg durch das SOS-Kinderdorf in Stübing.
Murenabgänge in der Obersteiermark
Durch die Unwetter in der Nacht auf Freitag sind in einigen Tälern der Obersteiermark Muren abgegangen, die Bundes-, Landes- und Gemeindestraßen verlegt haben. Betroffen waren die Bezirke Judenburg und Murau. Im Rantental im Bezirk Murau schnitt eine Mure ein Feriendorf von der Umwelt ab. 20 Urlauber saßen fest, sie gelangten am Freitag teils per Hubschrauber, teils zu Fuß wieder aus dem Tal. Ihre Autos mussten sie zurücklassen.
Gegen 19.30 Uhr waren im Gemeindegebiet Pusterwald und Bretstein im Bezirk Judenburg aufgrund der heftigen Niederschläge mehrere Muren abgegangen. In Pusterwald im Bereich Hinterwinkel wurde die Gemeindestraße durch zwei Abgänge auf einer Länge von rund 70 Metern verschüttet und für mehrere Stunden gesperrt. Die Aufräumarbeiten wurden von der Feuerwehr Pusterwald mit zwei Fahrzeugen und 20 Mann durchgeführt. Das selbe galt für den Bereich Bretsteingraben, wo die Feuerwehr Bretstein mit vier Fahrzeugen und insgesamt 28 Mann die Straße räumte, so die Polizeiinspektion Oberzeiring.
Im Bezirk Murau ging gegen 20.45 Uhr über Ranten, Krakauschatten und Krakauebene ein heftiges Gewitter nieder, das Bäume auf die B96 warf und die L521 in Krakauebene zum Teil wegriss. Die L521 musste für den gesamten Verkehr gesperrt werden, die B96 war bis Mitternacht unpassierbar, da die Brücke über den Rantenbach total überspült worden war.
Deutschfeistritz
Sintflutartiger Regen und Hagelkörner mit bis zu zehn Zentimeter Durchmesser hinterließen eine Spur der Verwüstung in Deutschfeistritz. Das Gemeindegebiet von Deutschfeistritz wurde in manchen Teilen binnen weniger Minuten in eine "Winterlandschaft" verwandelt. Der Übelbach trat über die Ufer und überschwemmte das Ortsgebiet. Zahlreiche Dächer von Häusern und Fahrzeuge wurden durch den Hagel schwer beschädigt - mehrere Keller standen unter Wasser. Alleine im Gemeindegebiet von Deutschfeistritz standen bis weit in die Nacht hinein mehr als 120 Feuerwehrleute im Einsatz. Wie groß die Schäden nach der Unwetternacht sind, lässt sich noch nicht abschätzen. Eines steht zum Glück fest: Verletzt wurde niemand.
Insgesamt waren 15 Feuerwehren des Bezirks Graz-Umgebung im Unwettereinsatz, berichtete Thomas Meier vom Landesfeuerwehrverband. Auch den Bezirk Voitsberg erwischte es, dort waren vor allem Kainach und Södingberg betroffen.
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