Eine Frau für alle Krisen
Pauline Leitner und ihre 323 ehrenamtlichen Helfer von "pro humanis" sind oft die letzte Chance psychisch Kranker auf ein wenig Alltag.
Ihre Statistik der sozialen Krisenbewältigung eines Jahres liest sich steiermarkweit so: 14.881 Stunden da sein, 71.737 gefahrene Kilometer, 5023 persönliche Kontakte, 323 freiwillige Helfer. Pauline Leitner (56) hebt den Blick: "Unsere Sozialbegleiter sind oft die einzigen Ansprechpersonen, die bleiben." Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie, nach einem Zusammenbruch, nach einer Trennung. Das Konzept: Ein freiwilliger Helfer verbringt ein bis zwei Stunden pro Woche mit einer psychisch kranken Person, geht mit ihr ins Kaffeehaus, ins Theater, spazieren oder Schi fahren.
Anker im Sturm. Lebens- und Sozialbegleitung nennt sich das Modell. Die Helfer werden zu Ankern, zu Paten, zu Begleitern. "Wir wollen und können nicht therapieren, sondern nehmen die Person so an, wie sie ist", sagt Leitner, die seit 2004 dem Verein "pro humanis. leben. helfen." vorsteht. Als ausgebildete Sozial- und Lebensbegleiterin, Supervisorin und Hospizbegleiterin hat sie die Beratungsstelle "Frauen für Frauen" 1993 mitaufgebaut. Dort leistet sie mit zwei Kolleginnen auch kostenlose Einzelberatung für Frauen in Krisen.
Kein guter erster Eindruck. Ihr erster Eindruck einer Psychiatrie war als kleines Mädchen beim Besuch eines Verwandten, kein guter: Gitter vor den Fenstern, kahle Wände, Stille. Diesem Klischee kontert man im neuen "pro humanis"-Zentrum im ehemaligen Kloster in der Dreihackengasse mit viel Farbe, Bildern und natürlich einer Extraportion Herzlichkeit.
Features
Zur Person
Pauline Leitner, 56 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Thal bei Graz, entspannt am Berg. Sie leitet den Verein "pro humanis" in Graz, der Frauen steiermarkweit in persönlichen Krisen betreut: in Einzel- und Sozialbegleitung mit 323 Freiwilligen.
Wo? Dreihackengasse 1, 8020 Graz, Tel. (0 31 6) 82 77 07,








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