Trasse für die neue Ostbahn steht
Im Endausbau sollen die Züge zwischen Graz und Gleisdorf zweigleisig rollen. In Laßnitzhöhe regt sich Widerstand: Bahnanbindung geht verloren.

Foto © APAZwischen Graz und Gleisdorf soll ein zweigleisige Ausbau folgen
Vom Grazer Hauptbahnhof nach Gleisdorf in 22 Minuten - neun Minuten schneller als bisher. Und das den ganzen Tag über im 15-Minuten-Takt. Derzeit ist das noch Zukunftsmusik, doch die ÖBB haben nun einen wichtigen Schritt in Richtung Ausbau der steirischen Ostbahn-Strecke gesetzt. Nach längerer Flaute im Projektfortschritt steht jetzt die Trasse fest, auf der die Züge in zehn bis 15 Jahren durch die Oststeiermark rollen werden.
Strecke. Die Eckdaten: Die neue Strecke wird vom Bahnhof Messendorf bis nach Gleisdorf verlaufen und sich eng an die Südautobahn halten. "Das hat Logik, weil die Bündelung der Verkehrswege auch umwelttechnisch am günstigsten ist", erklärt Projektleiter Klaus Schneider. Die Ostbahn wird auf diese Weise zu einer Flachbahn ohne wesentliche Steigungen, was Reisegeschwindigkeiten von 160 km/h ermöglicht. Außerdem soll der gesamte Verlauf durchgehend elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden.
Anbindung an Koralmbahn. Das macht im Endausbau einen 15-Minuten-Taktverkehr zwischen Graz und Gleisdorf möglich. Eine Anbindung an den Flughafen Graz und die Koralmbahn ist eingleisig geplant. Bis es allerdings soweit ist, wird es freilich noch dauern. Das Millionenprojekt hat einen Zeithorizont von zehn bis 15 Jahren - das ganze im optimalen Fall. Zur Überbrückung soll die derzeitige (eingleisige und nicht elektrifizierte) Ostbahnstrecke bekanntlich drei Betriebsausweichen in Autal, Laßnitzthal und Takern bekommen. Damit wäre der längst fällige S-Bahn-Betrieb zwischen Graz und Gleisdorf zumindest eingeschränkt zu verwirklichen.
Bahn. Ist die neue Strecke einmal gebaut, wird die alte Ostbahn samt Ausweichen überflüssig. Nach den derzeitigen Plänen der ÖBB würden die Schienen entfernt, sämtliche Haltestellen würden an den neuen Trassenverlauf verlegt, mit einer Ausnahme: Die Marktgemeinde Laßnitzhöhe wird ihre Anbindung an die Eisenbahn verlieren. Im Bereich des Kurorts ist nämlich ein knapp sechs Kilometer langer Tunnel eingeplant (siehe Grafik). Eine Aussicht, die den Laßnitzhöher Bürgermeister Josef Großschädl ganz und gar nicht freut. "Wir werden uns auf die Hinterbeine stellen, dass das nicht so kommt. Ich bin dabei, ein Schreiben an die ÖBB zu richten, damit die alte Strecke bleibt", so Großschädl.
Lärm macht Sorgen. Ein weiteres heißes Eisen wartet auf die Bundesbahnen in der kleinen Gemeinde Laßnitzthal. Der schmale Talgraben ist bereits durch die Südautobahn belastet. Die Bewohner fürchten, mit der Hochleistungsstrecke nun einen weiteren Lärmbringer in den Ort zu bekommen und haben sich bereits zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Schneider beruhigt: "Die einzelnen Schutzmaßnahmen müssen erst in Zusammenarbeit mit den betroffenen Bürgern erarbeitet werden." Derzeit fehlen auch noch die ÖBB-internen Beschlüsse zur Absegnung der neuen Trasse. In einem nächsten Schritt sollen die ersten Maßnahmen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeleitet werden.
Features
Fakten
Neben dem regionalen Nutzen hat der Ostbahn-Ausbau auch überregionale Bedeutung. Durch die Anbindung an die Koralmbahn ergäbe sich ein leistungsfähiger Ost-West-Korridor zwischen Ungarn und Italien - als Alternative zum derzeitigen EU-Korridor durch Slowenien.









