Verbund unter Spannung
Konzern-Chef Anzengruber: Kein dauerhaftes Problem bei Gaskraftwerk Mellach. Ertrag aus Wasserkraft derzeit 30 Prozent unter Durchschnitt.

Foto © FuchsDas neue Gaskraftwerk in Mellach (links) könnte bei hohen Gas- und niedrigen Strompreisen unrentabel sein
Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, am Donnerstag einmal mehr als Verfechter erneuerbarer Energien in Wien unterwegs, sieht in den neuen Gaskraftwerken des Konzerns kein drohendes Fehlinvestment.
Grundsätzlich werde der Bedarf an regelbarer Energieproduktion europaweit massiv steigen. Deshalb werde man natürlich auch am kleineren Mellach-"Zwilling" in Klagenfurt festhalten. "Wir werden langfristig kein wirtschaftliches Problem mit beiden Anlagen haben", so Anzengruber zur Kleinen Zeitung. Während das Megakraftwerk Mellach im Sommer erstmals in den Testbetrieb geht, läuft gerade die Ausschreibung für das voraussichtlich 300 bis 330 Millionen Euro teure Gasdampfkraftwerk Klagenfurt, bestätigte der für die Ausschreibung verantwortliche Verbund Thermal Power-Geschäftsführer Anton Smolak. Über die Laufzeit von mehr als 30 oder sogar 40 Jahren gerechnet seien schlechte Preiskonstellationen wie momentan kein Grund, die Gesamtwirtschaftlichkeit zu bezweifeln.
Die Zweifel an der Rentabilität der Gaskraftwerke hatte Anzengruber selbst ausgelöst. Dem "trend" hatte er ein Worstcase-Szenario bestätigt, wonach Mellach auf Basis aktueller Marktpreise - hohe Gas- und vergleichsweise niedrige Strompreise - in der Startphase bis zu 25 Millionen Euro Jahresverlust machen könnte. Anzengruber geht von einem Einpendeln der Preise in spätestens zwei Jahren aus. "Theoretisch geht das über Nacht, wenn sich Deutschland wie die Schweiz für einen Atomenergieausstieg entscheiden würde."
An Kraftwerken wie Mellach oder Klagenfurt gehe in Richtung erneuerbare Energien kein Weg vorbei, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dass nicht nur Wind und Sonne unberechenbar sind, sondern auch die Wasserkraft, bekommt der Verbund heuer massiv zu spüren. Aktuell liegt der Stromertrag aus der Wasserkraft bis zu 30 Prozent unter dem Durchschnitt. Seit Jänner durchgerechnet summiert sich das Minus bereits auf 14 Prozent.









