Fernwärme: Zweite Leitung vorerst abgesagt
Lange angekündigte Leitung Mellach-Graz wird so bald nicht gebaut. Energie Steiermark rüstet Grazer Gaskraftwerk auf.

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Kostenschätzung und Förderansuchen hatte die Stadt bereits erstellt - jetzt dürfte auf absehbare Zeit doch nichts daraus werden: Die geplante zweite Fernwärmeleitung von Mellach nach Graz, die den künftigen Wärmebedarf der Landeshauptstadt decken hätte sollen, wird so bald wohl nicht gebaut. "Derzeit ist sie bei der Fernwärmeoffensive nicht das vorrangige Thema", heißt es aus dem Umfeld von Bürgermeister Siegfried Nagl.
Gespräche mit dem Verbund
Vor einem Jahr klang das noch anders. Die Stadt führe bereits Gespräche mit dem Verbund und der Energie Steiermark, der die erste Leitung gehört, ließ Nagl wissen. Die Wärme liege in Mellach für Graz "zum Abholen bereit". Gemeint war das neue Gas-Kombikraftwerk des Verbund, das heuer in Betrieb geht und bis zu 400 Megawatt an Fernwärmeleistung auskoppeln könnte.
Warum man das 80-Millionen-Euro-Projekt einer zweiten Leitung nun doch aufschiebt? "Erstens wird das Wachstum bei der Fernwärme nicht so massiv sein, wie vor Jahren gedacht", sagt Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. "Zweitens muss der Erzeugungsmix gut sein. Da wollen wir die Abwärme von Betrieben stärker nutzen." Mit zwölf Millionen Euro Budget sollen künftig jährlich 1500 bis 2000 Neuanschlüsse dazukommen, sagt Holding Graz-Vorstand Wolfgang Malik.
Auch bei der Energie Steiermark, wo vor zwei Jahren noch einer "vollständig ausgelasteten Fernwärmeleitung" die Rede war, will man keine zweite Leitung bauen. "Das wäre wirtschaftlich gar nicht darstellbar", sagt Sprecher Urs Harnik-Lauris. Zudem genüge die Bestandsleitung "noch für Jahre". Die Energie Steiermark baut heuer eine Pumpstation, die die Kapazität der Rohre um 30 Prozent steigern soll.
Moderneres Kraftwerk
Parallel arbeitet der Konzern an einer Aufrüstung des alten Heizkraftwerks in der Grazer Puchstraße - und zwar in ein modernes Gaskraftwerk. "Der Standort ist Teil des neuen Fernwärmekonzeptes für Graz", sagt Vorstand Oswin Kois. Das ursprünglich dort geplante Großkraftwerk hatte die Energie Steiermark 2009 abgeblasen, weil es nicht zum neuen grünen Image des Konzerns passte. Ganz aufgeben will man den Standort dennoch nicht. Also kommt eine kleinere Anlage, die nur der Wärmeproduktion dient. Eine zweite Fernwärmeleitung wäre freilich auch diesem Projekt nicht zuträglich gewesen.








