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Zuletzt aktualisiert: 03.01.2010 um 19:05 UhrKommentare

Nagl: "Anschluss der Fernwärme zum Nulltarif"

So will der Grazer Bürgermeister die Anschlüsse auf 40.000 verdoppeln. Derzeitige Kosten von bis zu 15.000 Euro sind "Kundenvertreibung".

Foto © Weichselbraun/Sujet

Mach es wie der Inder und die anderen Handybetreiber: Um Kunden zu gewinnen, verschenken sie teure Handys. Nach diesem Motto will der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl auch die Energiepolitik in Graz und Umgebung umkrempeln. Seine Forderung: "Fernwärmeanschluss zum Nulltarif."

"Was derzeit passiert, ist ja ein Programm zur Kundenvertreibung. Wir müssen von den verrückt hohen Anschlusskosten wegkommen", so Nagl. Für einzelne Häuslbauer kann sich ein neuer Fernwärmeanschluss mit bis zu 15.000 Euro zu Buche schlagen. Viele winken daraufhin dankend ab - und setzen auf andere, weniger schadstoffarme Heizmethoden. "Wenn wir am Markt etwas ändern und auch den Hausbrand wirksam bekämpfen wollen, müssen wir neue Wege gehen." Nagl hat die Energie-Graz-Geschäftsführer beauftragt, im Jänner ein Konzept vorzulegen.

Auf diesem Weg will Nagl die Anzahl der Anschlüsse in Graz und Umgebung auf 40.000 Haushalte verdoppeln. Um die neuen Kunden auch beliefern zu können, soll die Energie Graz eine zweite Fernwärmeleitung von Mellach nach Graz bauen. In Mellach errichtet der Verbund ja gerade ein Gaskraftwerk, das 2013 in Betrieb geht und neben Energie auch eine riesige Menge an Abwärme produzieren wird. "Diese Wärme liegt zum Abholen bereit - oder wir können damit die Mur aufheizen", so Nagl.

Die neue Leitung wird 80 Millionen Euro kosten. Nagl will den Verbund und die Estag, der die erste Leitung gehört, als Partner mit an Bord holen, erste Gespräche gab es schon. Darüber hinaus winken Graz 40 Millionen Euro Bundesförderung. "Da haben wir rechtzeitig angesucht", so Nagl.

Grüne Vorbehalte

Nagl weiß, dass er sich damit der Kritik seines grünen Koalitionspartners aussetzt. "Sie haben ein Problem mit dem neuen Kraftwerk in Mellach. Aber Graz und seine Umgebung wachsen, wir brauchen mehr Energie. Wärmedämmung und Solarenergie unterstütze ich ja auch, aber das wird nicht ausreichen."

GERALD WINTER

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