Kassasturz: Estag-Gewinn bricht weg
Oswin Kois, Vorstandschef der Energie Steiermark, befürchtet für die Bilanz "Dramatik pur" und will den Konzern neu positionieren.

Foto © KLZ Diguital/Erwin ScheriauOswin Kois ist zuversichtlich den Konzen in Richtung nachhaltige Energien neu positionieren zu können
Der scheidende Vorstand hat trotz der wirtschaftlichen Widrigkeiten vor zwei Tagen ein sehr rosiges Bild von der finanziellen Lage der Energie Steiermark gemalt. Kann sich der neue Chef in ein gemachtes Nest setzen?
OSWIN KOIS: Ich kann das nicht nachvollziehen, die mir vorliegenden, offiziellen Zahlen sprechen leider eine ganz andere Sprache. Faktum ist, dass sich die Wirtschaftskrise im künftigen Ergebnis 2009 der Energie Steiermark sehr wohl abbilden wird. Absatzrückgänge vor allem in der Industrie lassen das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel und das Konzernergebnis um zumindest ein Drittel absinken.
Wenn Sie jetzt Kassasturz machen, bleibt es bei diesem Rückgang?
KOIS: Als ordentlicher Kaufmann müsste man zu diesem Rückgang noch erhebliche Rückstellungen addieren.
Das heißt?
KOIS: Für das bereits in Umsetzung befindliche Wertsicherungsprogramm der Energie Steiermark müssen heuer bilanzielle Rückstellungen in der Höhe von 31 Millionen Euro getroffen werden.
Der Gewinnrückgang von einem Drittel ist damit aber nicht zu halten?
KOIS: Da diese Rückstellungen eins zu eins das operative Ergebnis ebenso wie das EGT belasten, muss fürs laufende Jahr von zumindest einer Halbierung des Jahresgewinns ausgegangen werden. Das ist Dramatik pur.
Im Vorjahr lag das Ergebnis bei 132 Millionen Euro.
KOIS: Laut der jüngsten, aktuellen Jahresvorschau muss man davon ein Drittel abziehen, dazu kommt wie gesagt der negative Einmaleffekt. Das ist die Realität, damit müssen wir leben.
Das verspricht für die Dividende ans Land Steiermark ja nicht gerade Gutes.
KOIS: Die Dividende ist nicht Sache des Vorstandes.
Die Estag steht nicht nur wegen des Ergebnisrückgangs unter Strom, ihr laufen auch die Kunden davon.
KOIS: Um die Kunden zu halten, brauchen wir faire, wettbewerbsfähige Preise. Und dazu einen klar definierten Zusatznutzen mit einem attraktiven Angebot. Wir werden uns als Energie Steiermark außerdem als "good citizen", als "guter Bürger", positionieren. Dazu gehört nicht nur eine resche Dividende, das geht auch über die richtigen Projekte und über nachhaltiges Wirken.
Das klingt nett, aber sehr diffus.
KOIS: Wir werden künftig eine neue Strategie einschlagen und z. B. stärker mit Universitäten und Fachhochschulen z. B. bei der Elektromobilität kooperieren. Damit möchten wir für jeden
Steirer eine Zusatznutzen, einen Mehrwert schaffen. Zusammen mit der Landesregierung soll ein nach Regionen differenzierter Energiemasterplan erstellt werden, der festlegt, welche Schwerpunkte gesetzt werden können.
Zum Beispiel?
KOIS: Schon aus den Startlöchern ist das Projekt "sun invest", das die Errichtung von 50 Photovoltaik-Anlagen in den Gemeinden fördert. Bei "select-Sun" bekommen private Haushalte für überschüssigen Strom von uns 15 Cent pro KWh bezahlt.
Die Wasserkraft ist kein Thema mehr?
KOIS: Wir haben südlich von Graz bereits zwei Projekte laufen, und über eine Staustufe Graz, mit der die Mur zu einer attraktiven Freizeitzone in der Landeshauptstadt gemacht werden könnte, habe ich mit dem Bürgermeister schon gesprochen. Die Energie Steiermark würde dafür 70 bis 80 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Stichwort Graz: Als Geschäftsführer der Verbund-Tochter Austrian Thermal Power waren Sie für das Gaskraftwerk Mellach respektive den Ausbau der Fernwärmeleitung nach Graz, als Miteigentümer der Energie Graz schaut die Sache jetzt vielleicht ganz anders aus. Ist jetzt ein neues Fernwärmewerk in der Puchstraße der Favorit?
KOIS: Derzeit reichen die Kapazitäten. Wenn wir statt wie momentan 40.000 Anschlüsse die ursprünglich angestrebten 70.000 Anschlüsse in Graz haben wollen, was angesichts der Feinstaubbelastung wohl kein Fehler ist, wenn es ein klares Ja zum Ausbau gibt, können wir über konkrete Projekte der Energieerzeugung reden.
Ihr Mentor, der Aufsichtsratspräsident der Estag und ehemalige Landeshauptmann-Stellvertreter Peter Schachner-Blazizek, steht - Stichwort SPÖ-Stiftung - seit Wochen im Mittelpunkt heftiger Kritik auch aus den eigenen Reihen.
KOIS: Peter Schachner ist für mich eine moralische und intellektuelle Autorität, er hat der Energie Steiermark sowohl in der schweren Zeit nach dem Estag-Skandal als Interims-Vorstand als auch jetzt als Vorsitzender des Aufsichtsrates enorme Dienste geleistet. Ich hoffe, dass Professor Schachner-Blazizek dem Unternehmen als Aufsichtsorgan noch lange erhalten bleibt.
INTERVIEW: RAINER STRUNZ
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Fakten
Oswin Kois, geboren 1951 in Reichenfels, Kärnten.
Karriere: Jus-Studium in Graz, Landesdienst, u.a. Büroleiter von Landeshauptmann-Stv. Peter Schachner-Blazizek, Hofrat der Landesregierung. Seit 1996 in der E-Wirtschaft tätig als Vorstand der Steweag bzw. Mitglied der Geschäftsführung der Verbund-Tochter ATP. Per 1. August Chef der Energie Steiermark.








