Alte, Bekannte und Punk Rock
Im Orpheum beging man den Muttertag mit der vierten Vorrunde des Newcomer-Bandwettbewerbs. Üblicherweise hält ja der Metal die absolute Mehrheit – heute war Punk an der Reihe.

Foto © KLZ | David Bauer
Die Aufmachung von Moderator Gonzo – er kombinierte eine steirische Lederhose mit "Gummischlapfen" - lies schon erahnen, welcher Wind in den kommenden Stunden von der Bühne wehen würde. White Stain aus Slowenien bestätigten den Verdacht sogleich und eröffneten mit rotziger Gitarre. Leider konnte der Schlagzeuger nicht mithalten und zog damit die ganze Performance runter.
Dass ein guter Drummer schon die halbe Miete sein kann, bewiesen im Anschluss die Grazer von Contra Verse. Auch die wunderbar rauchige Stimme des Sängers muss erwähnt werden. Etwas mehr Bewegung täte den Herren aber gut. Solvent Free aus dem Ennstal mischten brav auf. Da war was los auf der Bühne. Die akustische Darbietung ging über durchschnittlichen "High School-Punk" jedoch nicht hinaus.
Nur im Rahmen
Und dann kamen Frame Saw. Die sind ja nicht mehr ganz unbekannt in der Szene, haben schon so manchen Gig gespielt und beherrschen ihr Handwerk. Umso schwerer wiegt da die Farblosigkeit des Auftrittes. Potential wäre vorhanden, liegt aber brach. Daher mussten sich die Herrschaften am Ende mit dem vorletzten Platz begnügen – zu Recht. Schade.
Mit den Damaged Insakts kam der Punk wieder zurück auf die Bühne. Das rohe Feuerwerk machte viel Freude. Nur um Haaresbreite verpassten sie den Einzug ins Finale. Ebendiesen schafften Fennez Marson aus Lieboch. Der Gitarrist hatte schon in Runde drei mit Treebone Tail sein Glück versucht und ist gut beraten, sich auf seine Aufgabe bei Fennez Marson zu konzentrieren. Die waren nämlich rundherum gut. In der Musik wie bei der Besetzung verzichtete man auf Überflüssiges, baute die Songs gut auf. Phasenweise erinnerten die Jungs gar an die frühen Chili Peppers.
Umbilikal aus Slowenien überraschten mit einer schwer definierbaren Tonmischung aus Folk, Rock und Singer/Songwriter-Stil, die aber gut ankam. Der Sänger kommt aus Argentinien und verlieh den Songs mit seinen spanischen Lyrics den richtigen Schuss Exotik. Diese Mischung überzeugte auch die Jury – der Tagessieg zeichnete sich ab und wurde am Ende des Abends auch bestätigt.
Alte (und) Bekannte
Der Weltrekordhalter und Newcomer-Dauergast Michael Schimpl gab sich auch heuer wieder die Ehre. Dieses Jahr entschied sich der professionelle Hobbymusiker für die Stilrichtung "Softporno-Pop". Die deutschen Liebestexte erinnerten zeitweise eher an Schlager, dennoch boten Schimpl und Band eine willkommene Abwechslung und Musik mit Herz. Peter konnte nicht gefunden werden.
Die fünf Herren der Papa Joe Band aus Braunau sind zusammen weit über 200 Jahre alt und haben somit das Thema verfehlt. Doch war es der Wunsch der betagten Truppe, einmal im Orpheum zu spielen und den haben sie sich auch erfüllt. Der Rock ´n´ Roll-Stil der Braunauer mag an vergangene Tage erinnern - die Performance tat es nicht. Somit haben sie sich den Respekt der anderen Bands, des Publikums und der Jury verdient und traten nicht als Freaks des Abends ab.
Publikumssieger wurden Audio Bastard. Die einzige Metalband des Abends war nur Mittelmaß, konnte aber die meisten Fans mobilisieren. Eine Tatsache, die manchen Bands zu entgehen scheint. Oft würden nur ein paar Stimmen mehr den Weg in das Finale ebnen.
Am 30. Mai spielt England gegen Japan in Graz. Danach werden die letzten drei Finalisten im Orpheum ermittelt.










