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Zuletzt aktualisiert: 14.04.2008 um 15:00 Uhr

Zank um zwei Murkraftwerke südlich von Graz

Während die Landesregierung für den Bau der beiden Kleinwasserkraftwerke ist, beruft die Umweltanwältin gegen den positiven UVP-Bescheid.

Schwäne auf der Mur beim Murkraftwerk Mellach - einige Kilometer südlich von den geplanten Kraftwerken

Foto © APASchwäne auf der Mur beim Murkraftwerk Mellach - einige Kilometer südlich von den geplanten Kraftwerken

Um die Genehmigung zweier Wasserkraftwerke im Süden von Graz gibt es eine Kraftprobe zwischen Naturschützern und Landesregierung: Die Regierung betonte am Montag abermals, den Projekten positiv gegenüber zu stehen, obwohl NGO-Vertreter sie von einem Einspruch gegen den positiven UVP-Bescheid überzeugen wollten. Schützenhilfe kommt für sie von der Umweltanwältin: Sie kündigte an, auf jeden Fall Einspruch zu erheben, auch wenn sie nur eine der beiden Anlagen als problematischen Eingriff ansieht.

Jenes in Gössendorf vertretbar. Landesumweltanwältin Ute Pöllinger hält das nördliche Kraftwerk in Gössendorf noch vertretbar, das südliche in Kalsdorf hingegen nicht mehr: Die zu erwartenden Einflüsse auf den Grundwasserhaushalt und in der Folge auf Au und Fauna sei zu groß. Weil beide Kraftwerke aber als Gesamtprojekt eingereicht wurden, müsse eben gegen das Gesamtprojekt berufen werden. Offen ist noch, ob gemeinsam mit Naturschutzbund und Umweltdachverband oder separat beeinsprucht werde, so Pöllinger im APA-Gespräch.

Seltene Tiere und Pflanzen in Gefahr. Die Naturschützer sind davon überzeugt, dass die Kraftwerke die mit rund 720 Hektar zweitgrößte Auenlandschaft der Steiermark zerstören würden. Seltene Tier- und Pflanzenarten seien bedroht, außerdem würde die Au austrocknen. Anders sieht das der Betreiber, die Energie Steiermark, die das Projekt mit dem Verbund als 50-Prozent-Partner abwickelt: Es gehe eigentlich um eine Renaturierung, zumal die Mur wieder weitgehend in einen Zustand rückgeführt werde, wie er vor 150 Jahren vor der Regulierung bestanden habe.

Besserer Hochwasserschutz versprochen. Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (S) verteidigte die Pläne und verwies auf umfangreiche Kompensationsmaßnahmen. Es sei "mehr als sorgsam und sensibel" vorgegangen worden und die Kraftwerke, die Strom für 45.000 Haushalte lieferten und mit deren Errichtung auch gleichzeitig der Hochwasserschutz verbessert würde, seien "auch ökologisch zu verantworten". Der für das Wasserrecht zuständige Agrarlandesrat Johann Seitinger (V) drückte sein Unverständnis gegenüber jenen aus, die die Nutzung der erneuerbaren Energie aus Wasser ablehnten. Auch als Naherholungsraum für Graz würde das Gebiet, das derzeit aus "Urwald und Busch" bestehe, eine Aufwertung erfahren.


Fakten

Die beiden geplanten Kraftwerke sollen 115 Mio. Euro kosten und rund 45.000 Haushalte mit Strom versorgen werden. Voraussichtlicher Baubeginn ist heuer oder 2009, drei Jahre später sollen die Kraftwerke in Betrieb gehen.

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