Zank um zwei Murkraftwerke südlich von Graz
Während die Landesregierung für den Bau der beiden Kleinwasserkraftwerke ist, beruft die Umweltanwältin gegen den positiven UVP-Bescheid.

Foto © APASchwäne auf der Mur beim Murkraftwerk Mellach - einige Kilometer südlich von den geplanten Kraftwerken
Um die Genehmigung zweier Wasserkraftwerke im Süden
von Graz gibt es eine Kraftprobe zwischen Naturschützern und
Landesregierung: Die Regierung betonte am Montag abermals, den
Projekten positiv gegenüber zu stehen, obwohl NGO-Vertreter sie von
einem Einspruch gegen den positiven UVP-Bescheid überzeugen wollten.
Schützenhilfe kommt für sie von der Umweltanwältin: Sie kündigte an,
auf jeden Fall Einspruch zu erheben, auch wenn sie nur eine der
beiden Anlagen als problematischen Eingriff ansieht.
Jenes in Gössendorf vertretbar. Landesumweltanwältin Ute Pöllinger hält das nördliche Kraftwerk in
Gössendorf noch vertretbar, das südliche in Kalsdorf hingegen nicht
mehr: Die zu erwartenden Einflüsse auf den Grundwasserhaushalt und in
der Folge auf Au und Fauna sei zu groß. Weil beide Kraftwerke aber
als Gesamtprojekt eingereicht wurden, müsse eben gegen das
Gesamtprojekt berufen werden. Offen ist noch, ob gemeinsam mit
Naturschutzbund und Umweltdachverband oder separat beeinsprucht
werde, so Pöllinger im APA-Gespräch.
Seltene Tiere und Pflanzen in Gefahr. Die Naturschützer sind davon überzeugt, dass die Kraftwerke die
mit rund 720 Hektar zweitgrößte Auenlandschaft der Steiermark
zerstören würden. Seltene Tier- und Pflanzenarten seien bedroht,
außerdem würde die Au austrocknen. Anders sieht das der Betreiber,
die Energie Steiermark, die das Projekt mit dem Verbund als
50-Prozent-Partner abwickelt: Es gehe eigentlich um eine
Renaturierung, zumal die Mur wieder weitgehend in einen Zustand
rückgeführt werde, wie er vor 150 Jahren vor der Regulierung
bestanden habe.
Besserer Hochwasserschutz versprochen. Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (S) verteidigte die Pläne und
verwies auf umfangreiche Kompensationsmaßnahmen. Es sei "mehr als
sorgsam und sensibel" vorgegangen worden und die Kraftwerke, die
Strom für 45.000 Haushalte lieferten und mit deren Errichtung auch
gleichzeitig der Hochwasserschutz verbessert würde, seien "auch
ökologisch zu verantworten". Der für das Wasserrecht zuständige
Agrarlandesrat Johann Seitinger (V) drückte sein Unverständnis
gegenüber jenen aus, die die Nutzung der erneuerbaren Energie aus
Wasser ablehnten. Auch als Naherholungsraum für Graz würde das
Gebiet, das derzeit aus "Urwald und Busch" bestehe, eine Aufwertung
erfahren.
Features
Fakten
Die beiden geplanten Kraftwerke sollen 115 Mio. Euro kosten und rund 45.000 Haushalte mit Strom versorgen werden. Voraussichtlicher Baubeginn ist heuer oder 2009, drei Jahre später sollen die Kraftwerke in Betrieb gehen.









