Franz Eckhart ist seit seinem 13. Lebensjahr Turmbläser
Der Steirer kraxelt Jahr für Jahr in die Hälse der Kirchen, um die Welt mit seiner Trompete von oben zu beschallen.

Foto © David BauerFranz Eckhart hat am Heiligen Abend ein klingendes Ritual. Er beschallt die Welt als Turmbläser
Morgen, am Heiligen Abend, wird Franz Eckhart nach dem traditionellen Truthahn wieder aufbrechen. Christbaum und Familie hinter sich lassen, um eins zu machen: der Welt ein Ständchen spielen. Von oben. Als Turmbläser.
"Für mich gehört das am Heiligen Abend einfach dazu. Es ist mein weihnachtliches Ritual." Seit seinem 13. Lebensjahr ist der 59-Jährige am Heiligen Abend ausgebucht. Auch heuer ist der Terminplan schon wieder bis oben hin zu. Ein reiner Trompetenmarathon. "Ich kann eben nicht ,Nein' sagen." So kraxelt Eckhart in diesem Jahr gleich auf drei verschiedene Türme. Gut ausgerüstet mit zwei langen Unterhosen, Fingerlingen und -selbstverständlich - seiner Trompete. Los geht es um 21.30 Uhr in der Mariahilfer Kirche in Graz, weiter geht es um 23 Uhr in der Grazer Stadtpfarrkirche und zum Abschluss gibt es um 24 Uhr noch das Turmblasen in Judendorf- Straßengel. "Für mich ist es ein schöner Gedanke, dass die Leute auf den Straßen stehen oder die Fenster öffnen, um uns zu hören. Am besten hört man unser Spiel, wenn es nebelig und feucht ist. So wird der Schall gut verbreitet."
Aber auch bei Riten gibt es Pleiten, Pech und Pannen. "Die Lippen werden kalt, die Finger werden steif, die Instrumente frieren ein, der Posaunist kann den Zug nicht mehr bewegen, die Ventile bleiben stecken. Plötzlich friert auch dem Tubaspieler das Gerät ein. Und die anderen können sich nicht halten vor Lachen." Und so bleibt manchmal nur ein jämmerlicher Bläser über.
Sicher denkt Eckhart oben am Kirchturm oft an seine Familie, die er zu Hause zurücklassen muss. "Wir machen schon immer ganz früh Bescherung. Aber, wenn ich meine Trompete packe, weiß mein Enkerl Niklas schon: Der Opa geht jetzt pffft machen."
Features
Zur Person
Franz Eckhart wurde am 6. Jänner 1950 in Kalsdorf bei Graz geboren. Er unterrichtete an der Musikhochschule und an der Pädagogischen Akademie in Graz. Er lebt mit seiner Frau Marika in Kalsdorf bei Graz.








