Das Geschäft mit der Abzocke
Täglich flattern Steirern derzeit Flugblätter über Gewinne ins Haus. Darüber verunsichert, stürmen die "Glücklichen" die Arbeiterkammer.

Foto © Fotolia/Drubnig-Photo
Letzter Zustellversuch! Eilsendung-Erinnerung! Wichtige Mitteilung!
In Rot gehalten und fett gedruckt prangen die Überschriften auf den Flugblättern, die derzeit die Taschen der Postzusteller fast zum Überquellen bringen. Und bei den Empfängern oft Ärgernis, aber noch öfter große Verunsicherung hervorrufen. Immerhin versprechen die persönlich adressierten Sendungen große Gewinnsummen.
Friederike S. aus Hausmannstätten ist eine der Glücklichen. Die Pensionistin hat allein in dieser Woche schon Zigtausende an Euro gewonnen: 2350 am Montag, 5000 am Dienstag. Zum Drüberstreuen gibt es noch einen LCD-Flachbildfernseher, wenn sie mit Ehemann erscheint. Gleich zum Mitnehmen. Kommt sie alleine, kriegt sie eine Kaffeemaschine.
Denn zum Erhalt der Geldgewinne muss sie an einer kostenlosen Ausflugsfahrt ins nahe Slowenien teilnehmen. Vorführung von Messe-Neuheiten, reichhaltiges Frühstück und schmackhaftes Mittagessen inklusive.
"Solche Gewinnspiele gibt es seit Jahren, das ist eine unendliche Geschichte", seufzt Bettina Schrittwieser, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz bei der steirischen Arbeiterkammer.
Regelrechter Boom
Doch derzeit erlebt die Steiermark einen regelrechten Boom. Die Arbeiterkammer wird von "glücklichen Gewinnern" nahezu gestürmt. Täglich schicken viele ihre Schreiben, mindestens zehn kommen pro Tag allein in der Abteilung in Graz mit ihren Flugblättern vorbei. "Ganz viele fragen uns, ob sie wirklich was gewonnen haben. Und ein Mann kam vorbei, der sich bereits zum Mittagessen angemeldet hat", erzählt die Expertin. "Es kann doch niemand glauben, dass er wirklich gewonnen hat, obwohl er nirgends mitgespielt hat."
Rechtlich können die Gewinner, die für ein Gratisessen später teure, aufgeschwatzte Ware erstehen, ihre Tausender nicht einklagen. Irgendwo klein gedruckt steht da nämlich "nominiert zum Gewinn" oder "für Gewinnanteil vom 2350 Euro Wertjackpot". Oft in Gelb gehalten, was vor allem ältere Menschen nicht mehr lesen können.
Musterprozesse
Die Arbeiterkammer Wien führt jährlich drei bis vier Musterprozesse gegen die (Briefkasten-)Firmen, die hinter den Gewinnspielen stehen. In drei von vier Fällen auch mit Erfolg. Doch die Hintermänner haben sich da bereits aus dem Geschäft zurückgezogen, die (Salzburger) Postfachadressen sind geschlossen, was bleibt, sind hohe Gerichtskosten. "Und für die drei zerschlagenen Firmen kommen 30 neue nach", müssen die Konsumentenschützer resignieren. An die Adressen kommen die angeblichen Touristikfirmen oder Finanzdienstleister meist auf völlig legalem Weg: über echte Gewinnspiele, oft in Einkaufszentren, bei denen Autos oder dergleichen Verlockendes wirklich verlost werden.
Und die Teilnehmer beim Ausfüllen der Gewinnkarten übersehen, dass sie mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden sind.









