Teamarbeit erschafft Kunstwerk
Wenn man kein Vermögen hat, aber seinen Traum verwirklichen will, artet das meist in Arbeit aus. Eva Mayer und Robert Gaar zeigen in Hartberg, was man aus einem alten Bauernhof machen kann.

Foto © Oliver WolfEva Mayer und Robert Gaar genießen ihr neues/altes Haus
Kommen zwei Kreative mit handwerklichem Geschick zusammen, die ihren Traum verwirklichen wollen, wird das fast zwangsläufig eine Art Kunstwerk(statt). So geschehen bei der Keramikerin Eva Mayer und dem Grafiker Robert Gaar, die sich bei der Zusammenlegung ihrer beiden Haushalte vor vier Jahren quasi auf halbem Weg zwischen Graz und Vorau in Hartberg trafen.
Als die beiden den desolaten Bauernhof mit der 300 Jahre alten Schmiede und dem aufgelassenen Steinbruch am Hang sahen, war ihnen gleich klar: "Das ist es." Vielleicht erklärt Evas Art zu töpfern am besten, worum es den beiden auch beim Bauen ging: "Mich interessiert nicht nur die Form, sondern vor allem das Alchemistische an der Keramik, die Verwandlung, die beim Mischen von Glasuren und Ton entsteht."
Viel Platz
Der Bauernhof erfuhr in der Tat eine Verwandlung - und ist dabei doch noch irgendwie der alte. Konkret wurden alle Dächer des Gehöfts abgetragen. Die dicken Steinmauern blieben, soweit es ging, erhalten und wurden auch sichtbar gemacht, die Lichtöffnungen wurden deutlich vergrößert, Fenster aus Lärchenholz sorgen jetzt für einen Panoramablick in Richtung Riegersburg, Pöllau und Birkfeld. Weil man schon einmal dabei war, wurde auch für eine Raumhöhe von drei Metern gesorgt. Die neue Decke aus Stahlbeton wurde sichtbar gelassen. Sie bildet einen reizvollen Kontrast zu Stein und Holz im Keramik-Atelier des Erdgeschosses und trägt eine neue Dachlandschaft, die es in sich hat: Dem alten Hof wurde beim Umbau ein geradliniger Holzriegelbau aufgesetzt, der mehr oder minder alles in einem 110 m2 großen Raum ist: vor allem aber offene Küche mit Essbereich und Couch. "Weil wir gern kochen und Freunde zum Essen einladen. Hier haben auch zehn Menschen Platz, ohne dass es eng wird", sagt die Hausherrin.
Lebendig ist diese Wohnung aber auch so schon: Dafür sorgen Möbel und Einrichtungsdetails, von denen jedes einzelne seine ganz besondere Geschichte hat: Die bunt zusammengewürfelten Sessel beim Esstisch wurden allesamt von der Hausherrin auf Flohmärkten zusammengetragen und liebevoll restauriert. Das Schaffell auf der Couch stammt von den eigenen Brillenschafen, die den Rasenmäher am Hang hinter dem Haus ersetzen.
Für Gäste
Eine eigene Geschichte ist das Gästezimmer, besser gesagt: das Gästehaus. Eva Mayer und Robert Gaar haben nämlich die alte Schmiede, deren Ziegeldach in ihrer Wohnung zum Fenster hereinlacht, zum Gästezimmer umgewandelt. Geschätzte 300 Jahre hat das Gebäude auf dem Buckel, in dem jetzt auf einer Galerie ein Bett untergebracht ist und unten neben einer Feuerstelle gerade noch ein kleiner Tisch, ein paar Sessel und ein winziges Bad Platz haben.
Features
Fotoserie
Das Projekt
Umbau von Sommer 2006 bis Jänner 2008.
Planung: Architektin Isabella Müller-Fuchs, 8063 Hart-Purgstall.
Keramikatelier Eva Mayer in 8230 Hartberg, Ring 36. Besuch nach Voranmeldung, Tel-Nr. (0699) 11 41 34 25.










