Umweltzone wird zur "Gesundheitszone"
Keine Umwelt-, eine Gesundheitszone macht Graz dem Land schmackhaft. Der Feinststaub soll um die Hälfte reduziert werden.

Foto © AP
Ist die umstrittene Grazer Umweltzone mit einer neuerlichen Bürgerbefragung (ab 29. Juni) nicht zum Scheitern verurteilt? Oder sind die Pläne seit dem Koalitionsbruch schon obsolet? Die Grünen wollen es nicht glauben und die Nagl-VP will es nicht bestätigen. Daher findet am Mittwoch plangemäß in Graz der Gipfel mit Gesundheits- und Umweltexperten wie Helmut Hojesky statt. Auf Basis der Gespräche will Graz sein Zonen-Modell bis spätestens nächste Woche dem Land vorlegen.
Feinststaub im Visier
Das Konzept der Stadt, das der Kleinen Zeitung vorliegt, sieht weniger eine Umwelt- als eine Gesundheitszone vor. Nicht die für die Überschreitungstage relevanten Feinstaubpartikel, sondern die viel gesundheitsschädlicheren Feinststaub-Teilchen sollen durch Fahrverbote bekämpft werden. Wie vorab berichtet, möchte Graz alle Diesel-Fahrzeuge der Euro-Abgasklassen 0 bis 3 ohne Partikelfilter aus dem gesamten Stadtgebiet verbannen. Auch die südlichen Umlandgemeinden - von Seiersberg über Gössendorf bis Hart - sind im Grazer Modell inbegriffen. Die Autobahnen sind zwar ausgenommen, dafür soll es kaum Ausnahmen und Übergangsfristen geben. Dadurch könnte der Ausstoß gesundheitsschädlicher Abgaspartikel (PM 1) bereits im nächsten Jahr um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Um bis zu zehn Prozent soll die "herkömmliche" Feinstaubbelastung (PM 10) zurückgehen.
58.000 Fahrzeuge betroffen
Anhand der Kfz-Zahlen des Vorjahres berechnete die Technische Universität, dass eine derartige "Gesundheitszone" knapp 58.000 im Raum Graz gemeldete Fahrzeuge treffen würde - mehrheitlich Pkw. Im Jahr 2020, so Schätzungen, wären noch etwa 25.500 Fahrzeuge betroffen.
Um den EU-Grenzwert von maximal 35 Überschreitungstagen im Jahr halbwegs einhalten zu können, wären laut Untersuchung auch tageweise Fahrverbote für alle sinnvoll. Mit "zehn Prozent weniger Verkehr" kann sich Lisa Rücker (Grüne) sehr anfreunden. Für die Bürgermeisterfraktion hat das indes "keine Priorität". Wiederum sehen es Umweltbeamte als wichtige Zusatzmaßnahme, um unter die 35 Feinstaubtage jährlich zu kommen. Derzeit liegt die Landeshauptstadt bei 32 der 35 erlaubten Überschreitungstage.
Um den drohenden Strafzahlungen durch die EU zu entgehen, müsste Graz in einem Jahr um mindestens 52 Tonnen Feinstaub weniger produzieren. Und das, betonen die Fachleute, bei einer günstigen Wetterlage.
Features
Kommentar
Der Fahrplan
Am Mittwoch (13. Juni) beraten Umweltamt, Landesfachleute und Gesundheitsexperten über die Grazer Umweltzone. Im Anschluss wird dem Land ein Modell vorgeschlagen.
29. Juni bis 12. Juli: Graz soll über die Umweltzone abstimmen. Möglicher Start: Herbst 2013.









