Tod reißt an der Zeit
Kammeroratorium von Franz Zebinger.
GRAZ. Das späte Mittelalter malte den Tod in Reigentänzen um Beinhäuser wie das von Metnitz bei St. Veit. Der Südsteirer Franz Zebinger, jahrzehntelang Lehrer für Continuopraxis an der Grazer Kunstuniversität, lässt in seinem neuen Kammer-oratorium "Todestöter - Die Abschaffung der Zeit" einen Forscher (Sprecher: Wolfgang Horvath) im Disput mit dem Tod (Gernot Heinrich, Tenor) "tanzen" und interpretiert dabei gewitzt dieses Tanzen neu.
Josef M. Doeller steuerte die Grazer Domkantorei und ein feines, kleines Domorchester im Mausoleum, klanglich schön gestaffelt durch die geschichtsbewusste Vertonung des ironischen Librettos von Johannes Leopold Mayer. Der Clou: Mit mephistophelischer Schärfe zerrte Gernot Heinrich die Welt aus einem totalen Stillstand, in die sie der Forscher gebracht hatte, durch einen gesungenen Rag-time ("zerrissene Zeit"). Die tödliche Synkope rettete die Welt.








