Feldkirchen: Landwirt wurde vier Mal enteignet
Bundesbahn, Flughafen, Autobahn und Flusskraftwerk: Vier Projekte und vier Mal hat man Adolf Egger enteignet. Der Landwirt aus Feldkirchen steht mit Behörden auf Kriegsfuß.

Foto © Marija KanizajAdolf Egger steht auf Kriegsfuß mit mit den Behörden
Feldkirchen im Süden von Graz hat eine traurige Berühmtheit: Landwirt Adolf Egger wurde bei vier Großprojekten jedes Mal enteignet. Das geschah bei der Zivilflugplatzerweiterung des Flughafens Graz, beim Ausbau der Umfahrung Feldkirchen (Autobahnzubringer Flughafen), im Bereich der Südbahn bis kurz vor Kalsdorf sowie anlässlich der Errichtung der Murkraftwerke von Gössendorf-Kalsdorf. Obendrein wollte der Landwirt auf seinem Grundstück nahe dem Flughafen eine Park-and-ride-Anlage eröffnen. Doch der neue überdachte Bahnzugang (450 Meter lang) durchkreuzte die Pläne. Eggers Anlage ist kaum zu sehen. Ergo tobt Egger und steht mit Politik und Behörden auf Kriegsfuß. Die Betroffenen weisen die Kritik des Enteigneten indes scharf zurück.
"Gründe unterbewertet"
Egger ist überzeugt, dass "Betrug am Grundbesitzer" begangen worden sei. Der Schaden würde in die Millionen gehen. Die Grundstücke und Liegenschaftsanteile hätte man unterbewertet. Seine Liste der Vorwürfe ist lang: In Verträgen wären Seiten getauscht worden. Zudem "verschwanden wichtige Akten", behauptet Egger. Für Kopfschütteln sorgt, dass einmal ein Baum höher bewertet worden wäre als ein Grundstücksteil.
So kämpft der Feldkirchner seit 2001 verbissen um sein Recht. "Ich habe bei zwei Landeshauptleuten vorgesprochen." Auch diverse Richter und Entscheidungsträger sowie Verantwortliche der Projektbetreiber klapperte er ab. "Ich bin bis zum EU-Gericht gegangen, aber es hat nichts genützt."
Vor allem zwei Personen nimmt Egger ins Visier: Feldkirchens Ortschef Adolf Pellischek und einen Sachverständigen. Beide weisen die Anschuldigungen des Landwirts vehement zurück.
"Seinem" Ortschef wirft Egger vor, dass er nicht für die Gemeindebürger, sondern bloß "für übergeordnete Interessen" arbeiten würde. Außerdem habe "Bürgermeister Pellischek für den gleichen Grund mehr Geld bekommen als ich. Von der ÖBB hörte ich nur: Das ist halt so."
Feldkirchens Bürgermeister will das nicht auf sich sitzen lassen: "Ich bin nicht in diese Sache involviert. Ich habe weder als Person noch als Behörde einen Rechtseinfluss. Das sind Sachen, die zwischen dem Käufer und Verkäufer stattfinden."
Der Sachverständige ist Eggers eigentlicher Kontrahent: Er würde das Liegenschaftsbewertungsgesetz nicht einhalten, hätte für Land und Flughafen zugleich gewerkt, so der Landwirt. Daher hat er nun, vertreten durch den Wiener Rechtsanwalt Heinrich Vana, eine Sachverhaltsdarstellung und Strafanzeige gegen den Gutachter eingebracht. Egger fühlt sich geschädigt und hat grobe Zweifel an den Liegenschaftsschätzungen. "Es hätte bedeutend höher entschädigt werden müssen", meint Anwalt Vana.
Gutachter schlägt zurück
Der Sachverständige hingegen will Egger straf- und auch zivilrechtlich anzeigen, da die Vorwürfe für ihn berufsschädigend seien. "Ich war nicht der Sachverständigen-Vertreter des Landes Steiermark. Ich habe den Flughafen beraten, war aber nicht als Gutachter unterwegs. Außerdem bezeichnet mich Egger stets als Beamten des Landes Steiermark, obwohl ich seit 2003 nicht mehr aktiv im Dienst bin."
Ein Ende der Causa ist weiterhin nicht absehbar.








