"Bitte sagen Sie Pater zu mir"
Christian Feurstein (51) wird am 21. August zum neuen Abt von Stift Rein geweiht. Seine Aufgabe sieht der Vorarlberger bescheiden: "Niemand wird Mönch, um Abt zu werden."

Foto © PrivatPater Christian Feuerstein
Ich bin kein großer Redner", sagt Christian Feurstein. Da schwingt viel Bescheidenheit mit. Denn er redet gut und leidenschaftlich. Eher scheint es sich so zu verhalten, dass der fröhliche Hüne mit dem sanften Tonfall ungern über den bürgerlichen Christian Feurstein spricht. "Bitte sagen Sie Pater Christian zu mir."
In wenigen Wochen muss die korrekte Anrede "Abt von Stift Rein" lauten. Voraussichtlich am 21. August wird der Zisterzienserpater aus dem niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz die Leitung des steirischen Klosters übernehmen. Mit einem Gottesdienst wird er die Abtbenediktion (Weihe) erhalten. "So Gott will", sagt Pater Benedikt, "darf ich dann die bischöflichen Insignien tragen: Mitra und Stab."
Ob ihn diese neue Aufgabe mit Stolz erfüllt? "Kein Mensch wird Mönch, um Abt zu werden." Aber die Gemeinschaft in Stift Rein hat einstimmig für ihn gestimmt und der Heiligenkreuzer Abt Gregor Henckel-Donnersmarck lässt seinen langjährigen Prior wehmütig aber doch ziehen.
Nun verlässt Pater Christian Stift Heiligenkreuz wohl für immer. Schon Ende der 1980er-Jahre war er ausgezogen, um im deutschen Ruhrgebiet ein Kloster zu gründen. Das Unterfangen darf, in weltlicher Sprache, als voller Erfolg bezeichnet werden. Der Bochumer Bürgermeister, ein Sozialdemokrat, zählte das Priorat neben der Uni und dem Opelwerk zu den wichtigsten Einrichtungen der Stadt.
"Ich geh' ins Kloster"
2001 kehrte Feurstein zurück nach Heiligenkreuz, wo er 1977 Novize wurde. Damals keineswegs zur Freude seiner Eltern. Feuerstein (der mit dem gleichnamigen ORF-Redakteur nicht verwandt ist) stammt aus einer angesehenen Vorarlberger Ärztefamilie. "Mein Vater wollte, dass auch ich studiere." Doch der 18-jährige widersprach: "Ich geh' ins Kloster".
Nach kurzer Wanderschaft stieß er, als "Novize auf Zeit", in das 1090 gegründete Stift Heiligenkreuz nahe Mödling. "Da wusste ich: Das ist es." Wer durch den ehrwürdigen Kreuzgang geht, begibt sich auf eine tausendjährige Zeitreise durch die Geschichte klösterlicher Baukunst. Romanik, Gotik, Barock, Rokoko: "Jedes Jahrhundert wurde etwas Neues dazugebaut". Nun kommt etwas dazu, das Pater Christian die "neue Kanzel" nennt. Ein Videokanal auf der Onlineplattform "Youtube", auf der die Mönche regelmäßig aus ihrem Leben erzählen.
Der "Monastic Channel" machte Stift Heiligenkreuz vor drei Jahren weltberühmt. "Universal Music" wurde auf die gregorianischen Choräle der Patres aufmerksam und produzierte ein Album, das es in die Top Ten der britischen Charts schaffte. "Das ist vorher nur Falco und DJ Ötzi gelungen", sagt Feurstein."
An die unvermeidlichen PR-Auftritte erinnert er sich ungern. Mit der singenden First Lady Frankreichs, Carla Bruni, nahm er Platz auf der "Wetten dass"-Couch. "Das war eher peinlich. Man muss aufpassen, dass man sich nicht zum Kasperl macht".
Das Repräsentieren, gesteht Pater Christian, liege ihm nicht. Ob sich das in seiner neuen Aufgabe vermeiden lässt? "Ich glaube, es ist möglich, Seelsorge und Verinnerlichung zu verbinden."
Features
Fakten
Geboren am 14. Oktober 1958 in Hohenems trat er 1977 in das Stift Heiligenkreuz ein und begann im Jahr darauf ein Theologiestudium. Zwischen 1988 und 2001 gründete der Zisterzienserpater im deutschen Bochum ein Kloster. Ab 2004 Prior von Heiligenkreuz, bis 2009 zuständig für insgesamt 28 Novizen. Ab August Abt von Stift Rein.









