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Zuletzt aktualisiert: 30.07.2011 um 20:30 UhrKommentare

Nach Höhen und Tiefen von New York auf die Gleinalm

Christian Koller, Koch und Unternehmer aus Kleinstübing, war 21 Jahre lang in aller Welt unterwegs. Jetzt übernahm der Steirer das Ruder im Schutzhaus auf der Gleinalm.

Wie viele gelernte Köche verschlug es auch Christian Koller aus Kleinstübing in die weite Welt. Er war Koch auf einem Schiff und kochte in Frankreich, Deutschland, Spanien und in der Schweiz auf. Dann wollte er aber weg aus der Küche und landete in New York.

"Ich habe eine Cateringfirma gegründet und habe damit alles abgedeckt, was in N. Y. mit Österreich zu tun hatte." Als sein Visum ablief, hatte er großes Glück, weil er eine Green Card (Arbeitserlaubnis) in der Lotterie gewann. Ja, so etwas gibt es in den USA, jährlich werden hier 55.000 Green Cards verlost.

Sogleich gründete Koller seine erste Firma, die er "Schnitzel It" nannte. "Marketingtechnisch war das ganz schlecht, denn die Amerikaner wussten mit dem Wort nichts anzufangen", lacht er rückblickend. "Das ist voll in die Hose gegangen, ich war meiner Zeit zu voraus. Aber meine Tiefschläge sind das Beste, was mir passiert ist. Daraus habe ich am meisten gelernt."

Dann eröffnete er einen der ersten Bioläden in Long Island. "Aber wieder war ich zehn Jahre zu früh und musste bald zusperren." Jetzt wurde Koller Küchenchef der New York University, dann gründete er eine Suppenfabrik in New York: Frische, "echte" Suppen wurden in Vier-Liter-Vakuumbeutel gefüllt und an Lokale verkauft.

Auf dem Jakobsweg

"Das war ein Hit", erinnert er sich, doch er arbeitete Tag und Nacht. 2006 folgte die Scheidung von seiner Frau und Koller verkaufte seine Firma. "Ich habe 15 Jahre nur durchgearbeitet, alle Höhen und Tiefen erlebt, wollte nur abschalten und habe beschlossen, den Jakobsweg zu gehen."

35 Tage lang ging er 1000 Kilometer zu Fuß. "Dabei habe ich mich selbst kennengelernt - mit 39 Jahren." Und er lernte auch Anne aus Berlin kennen, die mit ihm nach Österreich zog. "Am Wiener Naschmarkt habe ich Kochkurse abgehalten und dort am Sonntag den ,Steirerbrunch' aufgebaut." Gewohnt haben die beiden in Deutschfeistritz.

2008 wanderte er mit Anne und Söhnchen Benjamin auf die Gleinalm. "Dort bin ich ja fast aufgewachsen." Im Schutzhaus hörte der Wirt, dass Koller aus der Gastronomie kommt - und bot ihm spontan seine Nachfolge an, weil er in Pension gehen wollte. Koller aber zögerte. Und schon war ein Grieche der neue Pächter des Schutzhauses. Als dieser aber 2010 aus familiären Gründen in seine Heimat zurück musste, kam ein Anruf von der Forstverwaltung Liechtenstein: Ob Koller nicht Interesse hätte?

Und ob er hatte. Schnell überzeugte er die Bergrettungsmänner von seinem Schweinsbraten aus dem alten Holzofen. "Bei uns gibt es richtiges Alm-Essen mit regionaler Kulinarik wie Knödel und Kraut, Käsespätzle oder Selchwürstel und Biosäften." Dazu schenkt er herrliches "Leit'n Bier" aus, das ein Bauer aus dem Stübinggraben selbst braut, erzählt Bergfex Hans Hödl begeistert: "Er kocht wieder steirisch." Speisekarte gibt es keine, nur eine Tafel, auf die Koller das Gericht des Tages schreibt. Er sprüht vor Ideen und will als Nächstes eine vegetarische Brettljause kreieren. Auch dass die Angus Rinder auf der Gleinalm weiden, möchte er nützen und denkt an ein Bio-Rindfleischfest. Dabei bleibt er aber fest am (Alm-)Boden der Realität. "Wir haben Spaß auf der Alm, für uns ist hier das Paradies und wir kochen gerne für die Pilger und Wanderer."

ROBERT ENGELE

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