Vom Bizeps und dem Pudel
Das erste kulturwissenschaftliche Buch über Arnold Schwarzenegger hat nicht nur großen Lehrwert, sondern auch enormen Unterhaltungswert.

Foto © PrivatAmbulante Leistungsschau: Der junge Arnold Schwarzenegger führt seinen Bizeps vor
Arnold Schwarzenegger ballert sich ja gerade mit dem Actionreißer "The Expendables 2" durch unsere Kinos, im Oktober steht der 65-jährige Steirer für "Ten", einen Thriller aus dem Drogenmilieu, schon wieder vor der Kamera.
Aber Arnie passt nicht nur gut auf die Leinwand, sondern auch auf Buchseiten. Findet zumindest Jörg Scheller, der mit "Die Kunst, ein Leben zu stemmen" nicht das Private, sondern das bisher geschaffene Lebenswerk des Bodybuilders, Schauspielers und Politikers in den Fokus rückt. Scheller analysiert die zahlreichen Facetten, die das Phänomen Schwarzenegger ausmachen. Der in Bern lebende deutsche Kunstwissenschaftler will damit beweisen, dass selbiger bisher zu Unrecht von der intellektuellen Welt verschmäht wurde und durchaus Stoff für einen wissenschaftlichen Diskurs bietet.
Das Image Schwarzeneggers wird in die Bereiche "Kunst", "Mythos", "Macht" und "Vita" zerlegt, um dann ausführlich erörtert zu werden. Als Quellen zieht Scheller in seiner humorvoll geschriebenen Dissertation, die dem Buch zugrunde liegt, nur bisher veröffentlichtes Material heran. Anhand von Fotos aus verschiedenen Lebensphasen, Actionfilmen, Biografien, diversen Artikeln und zahlreichen Videoclips arbeitet der Autor zentrale Fragen zu Schwarzeneggers Selbstinszenierung, dem ihn umgebenden Mythos und den begünstigenden Begleitumständen für dessen Karriere ab.
Egoismus
Kernelemente der Person Schwarzenegger machen laut Scheller unter anderem Egoismus, Kälte, Zielstrebigkeit, strategisches Denken und unerschütterliches Selbstbewusstsein aus: "Seine vorteilhafte Unfähigkeit, an sich selbst zu zweifeln, und nicht zuletzt eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit zählen sicherlich zu den Voraussetzungen seiner Karriere."
Dabei steht der Autor der Person Schwarzenegger liebevoll kritisch gegenüber und findet, dass dieser "fraglos ein Künstler, einer der unerbittlichsten Selbstbildhauer unserer Zeit" sei - den Ton dazu kaufe er allerdings "fertig abgepackt".
Ironische, oft auch sarkastische Kommentare überraschen immer wieder und lassen den Leser auflachen. Etwa, wenn Scheller über den jungen Bodybuilder aus Thal schreibt: "Er führte seinen Bizeps aus wie andere ihren Pudel." Oder sich auf die Autobiografie Barbara Bakers bezieht und lautmalerisch akkurat zitiert, wie Schwarzenegger damals ihr Herz gewann: "You ahre so sayksie, I mus ahsk you on a date."
Dennoch: Das Buch ist nach allen Regeln einer geisteswissenschaftlichen Arbeit aufgebaut: mit einem Kapitel zur Methodik und viel Theorie, das Scheller in seine Arbeit kunstvoll einwebt. Wem allerdings die Passagen mit Kant, Hegel und Foucault zu langatmig sind, kann diese im schlimmsten Fall auch überblättern - das Buch bleibt in jedem Fall lesenswert.













