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    Zuletzt aktualisiert: 02.06.2012 um 07:45 UhrKommentare

    "Wenn ein Hells Angel ausrastet, dann richtig"

    2000 "Hells Angels" aus aller Welt im Schwarzl-Freizeitzentrum. Ein deutscher Teilnehmer wegen Betruges verhaftet, laut Polizei verlief die Veranstaltung am ersten Tag aber ruhig.

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    Breitbeinig steht ein glatzköpfiger "Hells Angel" mit langem Bart neben seiner Maschine, umkreist von vier Polizeibeamten. Auf der Rückseite seines Ledergilets - unter dem geflügelten Totenkopf, dem Kennzeichen der "Höllenengel" -, steht der Name seines Mitgliedsvereins, Charter genannt: MC Holland. Akribisch durchsuchen die Polizisten die Seitentaschen der Harley Davidson, tasten den niederländischen Motorradrocker ab und füllen zeitgleich ein Formular über Auffälligkeiten und Beanstandungen aus. Nach einigen Minuten darf der tätowierte Kraftprotz mit seiner Harley in das Schwarzl Freizeitzentrum in Unterpremstätten.

    300 Polizisten im Einsatz

    Die Exekutive hat rund 300 Polizisten im Einsatz. Spezialeinheiten wie die Cobra, die EGS (Einsatzgruppe zur Bekämpfung organisierter Straßenkriminalität), die Einsatzeinheit (EE), Hundestreifen, Beamte des Landeskriminalamtes und des Verfassungsschutzes unterstützen die örtlichen Polizeikräfte. Auch szenenkundige Beamte aus Deutschland und die steirische Verkehrspolizei sind vertreten. Notfalls können Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert werden, so Einsatzleiter Karl Lassnig.

    Szenekundige Beamte fischen mit ihrem geschulten Blick hochrangige Rocker aus den 2000 Teilnehmern des "World Run" heraus. Am Himmel kreist unaufhörlich ein Polizeihubschrauber über das weltweit größte Treffen der "Hells Angels", das jährlich in einem anderen Land stattfindet.

    "Höllenengel" verhaftet

    Einer der Teilnehmer, ein 46-jähriger Lübecker, wird gleich beim Eingang von der Polizei festgenommen. Wegen Betruges hatte die Schweizer Polizei den Deutschen per europaweitem Haftbefehl gesucht. Zahlreiche Fotografen und Fernsehteams halten ihre Kameras in Anschlag, während unaufhaltsam die Motorräder unter ohrenbetäubendem Lärm herandonnern. Alle folgen den Hinweistafeln, auf denen nur die Zahl 81 zu sehen ist: Die Acht für das H und die Eins für das A im Alphabet - "Hells Angels".

    Dänemark, Italien, Deutschland, Brasilien, USA, Kanada, Holland, Spanien, Polen, ja sogar Südafrika - kein Mitgliedsverein fehlt bei der Veranstaltung. Dürfen sie auch nicht, wie ein szenekundiger Beamter aus Deutschland erklärt: "Alle Orts- und Länderclubs sind verpflichtet, mit einer Abordnung an der Veranstaltung teilzunehmen." Schließlich verhandeln hochrangige Mitglieder über wichtige Clubinterna. Nur vereinzelt sieht man "Hells Angels" in Begleitung von Frauen, denen eine Mitgliedschaft im Club verwehrt wird, mit den Bikes herandonnern. Beim "World Run" sind auch Frauen erlaubt, so das Presseteam des Veranstalterclubs MC Austria, das von einem friedlichen Fest spricht.

    "Nach außen dringt nichts"

    Es passiere weniger "als bei jedem Fußballspiel, wo die Leute betrunken sind". Dass es abseits der Veranstaltung zu Problemen gekommen ist (siehe unten), wollte man nicht kommentieren. Mit dem Image der "Bösen Buben" könne man aber gut leben. "Leute provozieren uns. Und wenn ein Hells Angel ausrastet, dann richtig", so ein Mitglied. Schwerere Kaliber sollen auch beim Schwarzl sein. Ein Beamter hat zwei deutsche Rocker gesehen, die bis vor Kurzem ein Abzeichen getragen haben, das angeblich dafür steht, dass der Träger bereits jemanden getötet hat.

    Bei der Anfahrt in Graz beweisen einige Rocker maximal, was sie von guten Manieren halten: Biker ohne Helm fuhren mit ausgestrecktem Mittelfinger an Polizisten vorbei, eine dänische Gruppe von zwölf Rockern ignorierte in der Grazer Innenstadt rote Ampeln.

    Auf dem Festgelände soll es laut Polizei bis zum Abend keine Zwischenfälle gegeben haben. Ob das stimmt, traut sich der deutsche Verbindungsbeamte nicht sagen: "Wenn da drinnen etwas passiert, wird es nie ein Außenstehender erfahren."

    HANS BREITEGGER, RAINER BRINSKELLE

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