Freilichtmuseum Stübing knabbert weiter am Hungertuch
Vor dem 50-Jahre-Jubiläum des Museums: Kein Budget für 2012, weniger Zuschuss als vor zehn Jahren. Direktor kritisiert Bund und fürchtet um Fortbestand.

Foto © Marija Kanizaj
Das Österreichische Freilichtmuseum Stübing kämpft auch vor seinem 50-Jahre-Jubiläum, das 2013 begangen werden soll, ums Überleben. "Es gibt kein Bekenntnis des Bundes, es wird versucht, auf Zeit zu spielen und uns auszuhungern", zeigt sich Direktor Egbert Pöttler enttäuscht. Für 2012 gibt es in dem als Stiftung geführten Museum noch kein Budget, mit der Wiedereröffnung am 1. April begebe man sich "auf wirtschaftliches gefährliches Terrain - doch die Alternative hieße Zusperren".
Finanzielle Absicherung
Seit Jahren wird um eine neue Struktur und eine finanzielle Absicherung des Betriebs gerungen. Mit 52 Prozent Eigenmittelfinanzierung steht Stübing in der Museumslandschaft eigentlich gut da, doch die seit zehn Jahren eingefrorenen bzw. teilweise sogar reduzierten Zuschüsse kämen laut Pöttler eine realen Förderkürzung von 25 Prozent gleich: "Das, was wir mehr erwirtschaften, wird uns auf diese Weise praktisch wieder abgezogen".
"Das Problem ist das fehlende Bekenntnis des Bundes, niemand will Verantwortung übernehmen", findet Pöttler deutliche Worte. War im Vorjahr noch die Hoffnung da, über einen 15a-Vertrag mit einer Fünf-Jahres-Finanzierung so etwas wie Planungssicherheit zu bekommen, habe sich auch das wieder zerschlagen. Ausnehmen von seiner Kritik will Pöttler das Land Steiermark, das immer wieder, etwa bei Unwetterschäden, eingesprungen sei, aber in Zeiten der Sparbudgets auch nicht in der Lage ist, das Museum, das ja eine Gründung der Republik sei, ganz zu übernehmen.
Ende 1962 als Verein gegründet, wurde das Freilichtmuseum 1970 eröffnet und 1985 vom Bund unter Federführung des Kulturministeriums gemeinsam mit den Bundesländer in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt. Die Zuschüsse von zuletzt knapp 600.000 Euro teilen sich das Land Steiermark (350.000), Landwirtschafts-, Unterrichts- und Wirtschaftsministerium (220.000) und in kleinem Maße andere Bundesländer. Zuletzt hatte das Landwirtschaftsministerium 2011 seinen Beitrag von 130.000 auf 100.000 Euro reduziert. Angesichts dieser Situation stehe auch das für 2013 geplante Jubiläumsprogramm infrage, so Pöttler.
Mit je nach Saison 15 bis 28 Mitarbeitern und vielen ehrenamtlichen Helfern werden in Stübing rund 100 originale historische, vornehmlich bäuerliche Bauten aus ganz Österreich samt Gärten und Handwerk präsentiert. 2011 zählte das Freilichtmuseum, das zu den zehn größten Einrichtungen dieser Art in Europa zählt, 61.500 Besucher, zwei Prozent mehr als im Jahr davor.














