Graz ärgert sich grün blau
Wegen Zonen-Offensive kommen Anrainerparkplätze an den "grünen Rändern" unter die Räder der Dauerparker. Rücker denkt schon an nächste Erweiterung und an eine dritte Zone.

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Franz Kögler kennt sie alle: Den Linzer, der "hier immer parkt und schon einmal die Sommerreifen wechselt". Das Klein-Lkw-Revier, wo Firmen Transporter auf den immer rarer werdenden Gratisparkplätzen abstellen. Die Taxler, die ihre Mietkarossen hier rasten lassen, bis diese für ihre Schicht den Platz gegen die privaten Boliden der Berufschauffeure tauschen.
Ja, der 48-jährige Industrieangestellte kennt das Parkrevier "Wagner-Biro-Straße" in seiner Wohngegend wie seine Westentasche. Doch etwas ist neu: Seit die Stadt ringsum neue blaue und grüne Zonenplätze markiert hat, geht der kostenlose Parkraum für Anrainer auch in den Nebengassen gegen null. Dort stehen jetzt Polen, Ungarn, Deutsche, Kärntner, Weststeirer und andere "Umland-Grazer".
Zonen-Explosion
Seit Mai wuchert die grüne Zone über ihre bisherigen Grenzen hinaus. Nächste Woche werden noch Straßenzüge in Eggenberg markiert, dann ist die Erweiterung um 6600 kostenpflichtige Stellflächen über die Bühne. Seit 2003 ist die Zahl gebührenpflichtiger Stellflächen in Graz geradezu explodiert. Waren es damals 9700 blaue Zonenplätze, ärgert man sich nun über mehr als 26.000 kostenpflichtige Stellflächen grün und blau.
Egal in welcher Ecke, überall stimmen Anrainer, deren bisherige Parkplätze unter die Räder der Dauerparker kommen, ein Klagelied an. Schlimm erwischt hat es den Pächter des Cafés Rosenhain in der Panoramagasse. Kurt Gratzer blickt fassungslos auf die verwaiste neue grüne Zone am Fuße des Hügels. Die Dauerparker aus Maribor und sonst woher sind ebendiesen raufgetuckert und verparken seit Mai die Straße um sein Café. Der Wirt ist existenziell bedroht: "Unser Mittagsgeschäft ist um 80 Prozent eingebrochen."
Diese Automatik greift seit Beginn der Zonen-Erweiterung. Anrainer, die vor der Tür mit Ausnahmegenehmigung (um 132 Euro für zwei Jahre) freie Flächen finden, atmen auf. Eine Ecke weiter bleiben die Anrainer durch die Parker-Verdrängung in kostenlose Bereiche auf der Strecke. Ein Schicksal, das sensotech-Chef Wolfgang Pölzleitner ereilt hat. Seit man in der Brucknerstraße grün sieht, finden er und seine Mitarbeiter vor der Firma in der Scheigergasse keinen Platz mehr.
Die zuständige Vizebürgermeisterin Lisa Rücker kennt die Problemzonen schon: "Im Oktober evaluieren wir diese und bessern, wo notwendig, auch nach." Besonders bei der verfahrenen Situation in der Panoramagasse will Rücker rasch handeln.
Flächendeckende Zone?
Sie überlegt auch bereits die Einführung einer dritten Parkzone, die außerhalb des Zentrums flächendeckend realisiert werden könnte. Diese sei zwar kostenlos, limitiere aber die erlaubte Parkdauer: "Damit nicht Dauerparker alle Gassen verstellen."
Fest steht für die grüne Verkehrsreferentin, dass die grüne Zone weiter wachsen wird, "wo es aufgrund des Parkdrucks notwendig ist!" Einzige Grundbedingung: Die Kosten für Parkautomaten und Kontrolle müssen sich durch entsprechende Einnahmen wirtschaftlich darstellen lassen.














