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Zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 um 06:37 UhrKommentare

Die Rituale im Logentempel

Das Logenhaus (Adresse: Kalvariengürtel 32a) ist von außen ein abweisender Bau mit fensterloser Straßenfront und verwinkeltem Zugang über einen Fußweg. Die stählerne Tür ist mit einem Nummerncode gesichert. Das Gebäude, eine ehemalige Fabrik, gehört den Freimaurern und wird von den vier Logen gemeinsam bewirtschaftet.

"Gesellschaft für Ankauf und Verwaltung" steht auf dem Messingschild. Eine Tarnfirma, wie unser Gewährsmann erläutert. Auf einem verwitterten Mauerpfeiler findet sich ein weiteres Schild: "Verein zur Förderung von Wissenschaft und Kultur". So nennen sich die Logen laut Vereinsregister. Im Haus gibt es mehrere Tempel, dazu einen Speisesaal und eine große Küche im ersten Stock. Im allgemeinen montags alle 14 Tage, zu besonderen Feiern aber auch am Samstag trifft man sich. Die Zusammenkünfte folgen einem strengen Ritual. Gäste aus anderen Logen halten Vorträge, die man hier "Zeichnungen" nennt. Dann wird diskutiert. Später sitzt man an der "Weißen Tafel" zum "Brudermahl" zusammen. Es gibt Lehrlinge, Gesellen und Meister, darüber die "Hochgradigen" und als auf Zeit gewählten Logen-Chef den "Meister vom Stuhl".

Die Logen sind, ähnlich wie die modernen Serviceklubs (Lions, Rotarier, Kiwanis), karitativ tätig – von der Erdbebenhilfe bis zur Sanierung des Grazer Hirtenklosters. Daneben gibt es Seilschaften und wechselseitige Vergünstigungen. Die politisch-gesellschaftliche Gestaltungsmacht der Maurer wird jedoch oft überschätzt.

ERNST SITTINGER

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Foto © Maria Kanizaj

Mit Schilfmatten blickdicht gemacht: Der Zugang zum Logentempel am Grazer Kalvariengürtel führt über diesen FußwegFoto © Maria Kanizaj

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Foto © Maria Kanizaj

Das Grazer Logenhaus: Tempel für 160 EingeweihteFoto © Maria Kanizaj

Freimaurer werden

Der Weg zum Logenplatz ist weit: Wer Interesse hat, muss einen Freimaurer kontaktieren, selbst von einem kontaktiert werden oder an die Großloge (1010 Wien, Rauhensteingasse 3) schreiben. Bei Interesse und Eignung (zugelassen sind "freie Männer" ab 40 Jahren) wird man als "Suchender" registriert.

Die Neuaufnahme dieser Bewerber erfolgt als "Rezeption" in feierlicher Form. Mittels "Ballotage" wird abgestimmt, wobei jeder Freimaurer eine weiße (Zustimmung) oder schwarze Kugel in den Hut wirft. Bei drei schwarzen Kugeln ist man abgelehnt, bei ein oder zwei Nein-Stimmen werden die Gründe diskutiert.

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Zugang zum Allerheiligsten: Mit Zahlencode gesichertFoto © Maria Kanizaj

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