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    Zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 um 06:37 UhrKommentare

    Die Geheimnisse der Grazer Freimaurer

    Wer sie sind, wo sie logieren, wie sie ihre Interessen wahren: G7 enthüllt alle verborgenen Hintergründe der vier Grazer Freimaurer-Logen.

    Versteckt hinter Büschen: Das Schild, das zu den Logen führt

    Foto © Maria KanizajVersteckt hinter Büschen: Das Schild, das zu den Logen führt

    Die im Dunkeln sieht man nicht, befand einst Bert Brecht. Für die geheimnisumwitterten Logen der Freimaurer gilt dieser Befund noch heute. Denn während "Outings" auf vielen Gebieten Konjunktur haben, halten sich die Logenbrüder mit Offenbarungen zurück.

    G7 hat sich trotzdem auf die Suche gemacht und enthüllt exklusiv die Geheimnisse der Freimaurer: Rund 160 Grazer gehören dem Geheimbund an, rund 800 Euro Jahresgebühr plus Spenden müssen sie berappen. Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte und Beamte bilden den Grundstock der Kartei. Es gibt in Graz vier Logen, die alle im Logenhaus am Kalvariengürtel residieren. Die älteste ist die 1783 gegründete Loge "Zu den vereinigten Herzen", dann folgen "Die Brücke" und "Erzherzog Johann". Die jüngste Loge "Symbolon" besteht seit wenigen Jahren.

    Zwar ist es richtig, dass die Macht der Freimaurer oft dämonisiert und überschätzt wird. Andererseits wäre es falsch, sie nur als harmlosen Debattierklub älterer Herren zu sehen. Man bündelt Interessen und hilft einander, wo es eben geht. Das ist nicht verboten. Interessant sind die Freimaurer vielmehr durch ihre "strikte Arkandisziplin". So nennt man das eiserne Prinzip, wonach sich zwar jeder selbst als Freimaurer outen darf, aber die Identität der Logenbrüder geheim halten muss. Dementsprechend abweisend reagieren prominente Freimaurer, wenn wir sie anhand der Mitgliedslisten kontaktieren. Ein Logenmitglied hat nämlich exklusiv für G7 seine Kartei geöffnet. "Ist Ihnen fad, haben Sie nichts Besseres zu tun?", kontert etwa Rechtsanwalt Georg Eisenberger unsere Anfrage. Um dann einzulenken: "Ich bin Mitglied, bin aber wie die Jungfrau zum Kind gekommen." Schließlich ist auch Vater Gottfried ein "Maurer". Eisenberger junior betont: Er wolle als Anwalt, nicht als Maurer wahrgenommen werden.

    Geheimnisvolles Schweigen

    Ähnlich reagiert der Historiker Karl Kubinzky, ein Mitbegründer der Symbolon-Loge. Der Grazer Röntgenfacharzt Helmfried Winter meint spontan: "Ich möchte nichts dazu sagen." Dann lässt er sich zu einem "Ja" überreden. Winter: "Unsere Geheimniskrämerei hat auch positive Seiten, weil die Leute neugierig sind." Tatsächlich haben etwa die deutschen Freimaurer ihr Arkanprinzip aufgegeben, woraufhin der Andrang neuer Mitglieder stark nachgelassen hat. "Eine Katastrophe", wie Winter sagt.

    Anwalt und Immobilienprofi Reinhard Hohenberg zeigt sich nicht sehr auskunftsbereit: "Ihre Sorgen möchte ich haben." Die Mitgliedschaft sei erstens "Privatsache", zweitens sei "nichts Konspiratives" dran. Gerard Sonnenschein, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde und Vizeobmann der "Vereinigten Herzen", hält sich ebenfalls bedeckt: "Ich will das nicht beantworten", quittiert er unsere Frage.

    Anders reagiert etwa der Komponist Karl Haidmayer, seines Zeichens Meister im 33. Grad: "Natürlich bin ich dabei." Beitrittsmotiv vor 40 Jahren sei ?die Idee von der Veredelung des Menschen" gewesen. Auch ORF-Landesdirektor Gerhard Draxler bestätigt: "Ja, dieser Freundeskreis ist Teil meines Lebens." Und auch Ex-Messepräsident Peterheinz Gebell lüftet den Schleier: "Ich bin Freimaurer bei Erzherzog Johann. Die Geheimhaltung ist nur PR-Strategie." Fazit unseres Rundrufs: Die Listen sind verlässlich. Es stehen noch andere Prominente drauf, etwa Krentschker-Vorstand Michael Vollath oder Ex-VP-Klubchef Bernd Schilcher, die für uns nicht zu sprechen waren. Vielleicht ein Zufall. Oder sie haben besonders gut gemauert.


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    Foto © Maria Kanizaj

    Mit Schilfmatten blickdicht gemacht: Der Zugang zum Logentempel am Grazer Kalvariengürtel führt über diesen FußwegFoto © Maria Kanizaj

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    Das Grazer Logenhaus: Tempel für 160 EingeweihteFoto © Maria Kanizaj

    Freimaurer werden

    Der Weg zum Logenplatz ist weit: Wer Interesse hat, muss einen Freimaurer kontaktieren, selbst von einem kontaktiert werden oder an die Großloge (1010 Wien, Rauhensteingasse 3) schreiben. Bei Interesse und Eignung (zugelassen sind "freie Männer" ab 40 Jahren) wird man als "Suchender" registriert.

    Die Neuaufnahme dieser Bewerber erfolgt als "Rezeption" in feierlicher Form. Mittels "Ballotage" wird abgestimmt, wobei jeder Freimaurer eine weiße (Zustimmung) oder schwarze Kugel in den Hut wirft. Bei drei schwarzen Kugeln ist man abgelehnt, bei ein oder zwei Nein-Stimmen werden die Gründe diskutiert.

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    Zugang zum Allerheiligsten: Mit Zahlencode gesichertFoto © Maria Kanizaj

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