Für den SpeicherkanalAn der Grazer Mur heulen wieder die Motorsägen

Radweg wurde gesperrt, Security und Polizei postiert: Vorbereitungsarbeiten für den Speicherkanal haben begonnen.

Murradweg
Der Murradweg wurde mit Zäunen und Security-Organen abgeriegelt © Wilfried Rombold
 

An der Mur in Graz wurden Mittwochfrüh wieder die Motorsägen gestartet. Für den Bau des Speicherkanals, ein Projekt das mit dem umstrittenen Murkraftwerk in Puntigam zusammenhängt, finden seit den Morgenstunden Baumschnittarbeiten statt.

Der Murradweg ist ostseitig zwischen Bertha-Von-Suttner-Friedensbrücke (Schönaubrücke) und Langedelwehr gesperrt. Neben Baustellengitter sorgen Security-Organe, dass keine Fußgänger und Radfahrer in den Baustellenbereich eindringen. Auch die Polizei hat sich vorsorglich mit einigen Beamten postiert, von Demonstranten war vorerst noch nichts zu sehen.

Wilfried Rombold Umleitung
Umleitung des Murradweges © Wilfried Rombold

Aus der für den Bau des Speicherkanals zuständigen Holding Graz heißt es, dass derzeit keine Rodungsarbeiten durchgeführt werden. Die Arbeiten dienen zur Absiedelung der Fledermauskolonien am Murufer und es gibt eine Bestandsaufnahme der Bäume.

Die offizielle Stellungnahme der Holding Graz im Wortlaut dazu: Am Mittwoch Früh wurde mit ökologischen Maßnahmen an Bäumen im Kraftwerksbereich bis zur Bertha von Suttner Brücke begonnen. Die Bäume werden von einem „Fledermaus-Experten“ besichtigt und nach dessen Entscheid geschnitten oder teilweise geschnitten. Es handelt sich um Einzelmaßnahmen an den Bäumen, teilweise werden nur Äste entfernt bis hin zu einzelnen Bäumen. Sollten sich Tiere in den Ästen befinden werden diese vom Experten gemäß den Artenschutzvorgaben aus- bzw. umgesiedelt. Seitens des „Fledermaus-Experten“ ist nicht abzusehen, wie lange die Arbeiten dauern (abhängig von der Anzahl der zu schneidenden Äste bzw. Bäume), sollten aber im September erfolgen.

Ab Mitte Oktober 2017 bis Ende März 2018 erfolgen weitere Arbeiten, sukzessive nach Norden hin in Richtung Radetzkybrücke. Im Augarten handelt es sich um kleinräumige Maßnahmen, die vom generellen Fortschritt im Projekt abhängen.

Weitere Infos zu den geplanten Rodungs- und Bauetappen für den mehr als 80 Millionen Euro teuren Kanal (siehe auch Artikelende) hat die Holding Graz vorerst nicht geliefert. Bis zu 800 Bäume sollen für das Infrastruktur-Projekt jedenfalls fallen hieß es bereits im Februar des Jahres, nachdem die Schlägerungen für den unmittelbaren Kraftwerksbau beendet waren.

Der damals kommunizierte Zeitplan: Die Hauptarbeiten für den Kanal sollen in drei Wintersaisonen passieren. Heuer im Herbst und bis März 2018 wird in jenem Bereich gearbeitet, der bereits gerodet ist und wo das Kraftwerk entstehen wird. Der zweite Abschnitt, „Oberwasser“ genannt, reicht dann vom Mediensteg (ein nicht begehbarer Steg nördlich der Seifenfabrik) bis zur Radetzkybrücke und wird von Oktober 2018 bis März 2019 bearbeitet. Teil drei, „Unterwasser“ genannt, folgt dann von Oktober 2019 bis März 2020 und betrifft das Ufer südlich der Puntigamer Brücke bis zur Hortgasse.

Laut Holding Graz, unter deren Federführung der Kanal gebaut wird, „ist es notwendig, 839 Bäume zusätzlich zu entfernen. Diese werden aber mindestens im Verhältnis 1:1 wiederaufgeforstet.“ Johannes Gepp vom Naturschutzbund geht von einer ähnlichen Größenordnung aus, schiebt aber zwei Aber hinterher. Erstes Aber: Durch Zufahrtsstraßen für die schweren Baufahrzeuge müssen ebenfalls mehrere Bäume weichen. Zweites Aber: Insgesamt - bei Kraftwerk und Kanal zusammen - „werden mindestens rund 8000 große Bäume gefällt“.

Bei Augarten entsteht Kanal im Murbett

Die Gegner haben ja insbesonders auch bei Fällungen im Augarten Alarm geschlagen. Ein Anblick wie im Frühjar vom Puchsteg auf das Kraftwerksareal aus, wo die Überreste der gerodeten Bäume die Ufer auf beiden Seiten säumten, soll den Grazern zumindest beim Augarten und dem betroffenen Abschnitt der Murpromenade erspart bleiben. „Im Oberwasser verläuft der Kanal im Murbett, sodass dort nicht die ganze Böschung fallen muss“, betonte man damals bei der Holding. „Lediglich ein schmaler Streifen an Bewuchs und im Bereich der Zufahrten und Anschlüsse kleinflächige Bereiche sind zu roden.“

Anders stellt es sich beim Abschnitt Unterwasser dar: In diesem Bereich südlich der Puntigamer Brücke bis zur Hortgasse wird für den Zentralen Speicherkanal wieder die ganze Böschung gerodet.

 
Grüne drängen auf Rechnungshof-Prüfung

Die Grazer Grünen hoffen, dass eine Bundesrechnungshof-Prüfung zur Mur-Staustufe und dem zentralen Speicherkanal zweifelhafte Geldflüsse aufdecken könnte. Die Prüfung haben rund 1000 Grazer Bürger per Unterschrift gefordert. Die Grünen wollen Beweismaterial sowie ein Gutachten der Universität Linz vorlegen, das sich mit der Quersubventionierung der Estag durch das Land für die Errichtung des Zentralen Speicherkanals befasst, kündigt die Umweltsprecherin und Grazer Gemeinderätin Andrea Pavlovec-Meixner an.

Kommentare (8)

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schadstoffarm
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Graz gehört unter Naturschutz gestellt !

diese Flussbegradigung aus dem 19. Jhdt. ist eine einzigartige Kulturlandschaft ! Das ausbleiben der Kanalschwemme hat sicher Auswirkungen aufs Phytoplankton. Die sollen den Strom in Bohunice und Krsko machen, lieber sowjetische Reaktortechnik als Bäume fällen.

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helga.zuschrott
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bin echt fassungslos:

es scheint fast allen egal zu sein, was hier "abgeht":
- unsere natur im unmittelbaren umfeld leidet - und damit auch wir bürgerInnen
- das gesamte kraftwerkprojekt kostet ca. 160 millionen euro, davon 80 millionen, die nur notwendig sind, weil durch den kraftwerksbau der zentrale speicherkanal gebaut werden muss - ohne das kraftwerk also kein 80-millioneaufwand
- das kraftwerk an sich wird nur sehr wenig strom produzieren ..... den gesamtkosten steht also ein außerordentlich geringer ertrag gegenünber....
- und wir alle müssen für diesen politisch-ökonomischen uns ínn bezahlen

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office1
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Nägel für den Nagel

hat es keine gegeben in den Bäumen - das wurde sogar in den Medien verbreitet, dass die bösen Naturschützer die Bäume beschädigen!! Hahaha, so ein Witz. Die Naturschänder sind der Nagel und Konsorten. Die zarten Bäumchen sind kein Ersatz für die gewachsenen Bäume, es dürfen keine auf dem Damm stehen, man höre sich das Video von Naturschutzpräsident Dr. Gepp an, eine einzige Katastrophe. Alles für den Kanal - den ZSK, der eine Retrotechnik ist, das heutzutage, wo es ganz andere technische Möglichkeiten gibt. Die Nägel sind für den Nagel!

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schadstoffarm
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was wäre die ganz andere

technische Möglichkeit ?

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4581589URBA
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den meisten Grazern scheint es egal

daß die Umwelt und das schöne begrünte Grater Stadtbild zerstört wird, damit der Stromverbrauch durch die Energiewrtschaft mit Klimaanlagen, E-Autos und verschenktem Strom weiter angekurbelt werden kann und die Bauwirtschaft unterstützt wird.

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diss
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Aus meiner Sicht eine Tragödie!

Das ist meiner Meinung nach ein Verbrechen an der Mur und der Stadt, dass der Bürgermeister - aus welchen Gründen auch immer - unterstützt!

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carpe diem
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???

Was für eine Katastrophe für die Grazer und Grazerinnen. Dieser Bürgermeister arbeitet nicht für die Stadt, wird trotzdem wieder gewählt...wer soll das verstehen?

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aktivearbeitslose
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Dem notleidenden Baukonzern PORR

muß Bürgermeister Siegfried Nagl mit aller Gewalt auf Kosten von uns SteuerzahlerInnen die Millionen zuschieben. Er hängt ja von den Konzernen bzw. den Reichen und Superreichen ab ...

Das mit der Wiederanpflanzung ist reiner Betrug, denn um die Dämme nicht zu beschädien dürfen die Bäumchen keinen Durchmesser größer als 15 cm haben und werden wohl etwa alle 10 Jahre wieder gefällt (so wie in Salzburg!)

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