Umfragen: SPÖ liegt noch unter 2008er-Wert
Kampf um Platz 2 bleibt spannend. Die SPÖ setzt in ihrem Wahlkampf auf "neue Politik" - und alte Geschenke.

Foto © EderMit "neuer Politik" gegen das alte Problem Wählerschwund: SP-Chefin Martina Schröck
Einen Monat vor der Gemeinderatswahl versuchen die Parteizentralen, mit Umfragen die Marktlage zu sondieren und den Funktionären ein "Motivationsdoping" für die heiße Phase des Wahlkampfs zu verabreichen. Ein taktischer Spagat: Einerseits soll nicht zu viel Optimismus verbreitet werden, um nicht in die Gemütlichkeitsfalle zu tappen, andererseits darf auch nicht Aussichtslosigkeit suggeriert werden.
So weist eine der Kleinen Zeitung exklusiv vorliegende Sora-Umfrage (1000 Telefoninterviews) der Grazer SPÖ diese bei 18 Prozent aus, was noch unter dem Wahlergebnis von 2008 (19,7 %) liegt. Unangefochten an der Spitze aber ebenfalls mit leichten Verlusten liegt die ÖVP mit 35 Prozent (2008: 38,4 %). Auf dem dritten Platz würden die Grünen von 14,6 auf 17 Prozent wachsen, dahinter die FPÖ (13 Prozent) die KPÖ (11 Prozent) überholen. Nicht extra ausgewiesen ist das BZÖ.
Eine parallel von einem VP-nahen Institut gemachte Umfrage (1200 Befragte) sieht hinter der überlegen führenden VP (39 %) dagegen eine überraschend starke KPÖ. Mit knapp 18 Prozent würde sie auf Platz 2 stürmen, deutlich vor einer weiter abstürzenden SPÖ (14 %) und den Kopf-an-Kopf bei rund 10 Prozent liegenden Grünen und Blauen.
Daten, die SP-Chefin Martina Schröck ausreichend Argumente für eine notwendige Mobilisierung des eigenen Parteiapparats liefern, will das selbst gesteckte Wahlziel - "Ein Zweier vorne" - noch erreicht werden.
Schaffen will das die SPÖ mit einem Wahlkampfprogramm, das auf Wiederverwertung setzt. Nicht nur inhaltlich, wo man die Reanimation alter sozialdemokratischer Werte beschwört, sondern auch bei den Wahlgeschenken: So werden neben Accessoires (Taschen, Handyhüllen, Notizblock) aus Recycling-Produktion auch Überbleibsel aus dem letzten Wahlkampf (Keksausstecher) - nein, nicht verschenkt, sondern verkauft. Die Einnahmen und 20.000 Euro aus dem Budget der Partei fließen nach der Wahl in die von der Bevölkerung an den Wahlkampfständen und via Internet meistgenannten sozialen Projekte. Koordiniert wird die Aktion von Altbürgermeister Alfred Stingl.
Das Programm selbst steht unter dem Generalmotto "Neue Politik". De facto ist es eine Mischung aus tradierten roten Gesellschaftsbildern, wohlig klingenden Visionen und einigen, teils schon aus Ankündigungen der letzten Wochen bekannten konkreten Projektideen. Mit in Schröcks Wahlkampfgepäck ist beispielsweise die Forderung nach 500 Lehrstellen, die die Stadt selbst bereitstellen soll, nach Mikrokrediten für neue Ein-Personen-Unternehmen und nach 10.000 Gratisförderstunden für 10- bis 16-jährige Schüler. Zudem sollen die Fußgängerzonen in der Innenstadt ausgebaut werden.
Umgebaut soll auch SP-intern werden. Schröck kündigt für nach der Wahl eine massive Restrukturierung der Partei an. Schröck: "Es wird sich einiges komplett ändern."















