Graz wählt, aber umkämpft ist nur Platz zwei
Nächste Woche starten alle Parteien das Match um Graz. Mit der ÖVP steht der Sieger schon fest. Für Spannung bis zum 25. November sorgt der Vier-Parteien-Kampf um Platz zwei.

Foto © Jürgen FuchsAm 25. November können 209.720 Grazer einen neuen Gemeinderat wählen
Die Grazer ÖVP hat im Wahlkampf ein Problem: Sie ist zu stark. Allen 209.720 Wahlberechtigten ist klar, dass Bürgermeister Siegfried Nagl auch nach der Wahl am 25. November im Amt sein wird. Der Vorsprung auf den Zweiten beträgt laut jüngsten Umfragen 17 Prozentpunkte. Die Angst geht um, dass Langeweile Wähler vertreibt.
Deshalb machte Nagl vor Kurzem folgende Ansage: "Ich will 50 Prozent plus eins." Von der Absoluten sind die Schwarzen mit 35 Prozent laut jüngster Umfrage zwar weit entfernt, aber der Sinn der Ansage ist klar: Die eigenen Leute sollen rennen, um sich dem Ziel anzunähern.
Beim Match um Platz eins ist also die Luft draußen, auch die großen Themen sucht man im Wahlkampf vergeblich. Der Reininghaus-Kauf, die Umweltzone, das Murkraftwerk - überall sind Entscheidungen gefallen, die Themen politisch nahezu tot.
Droht ein Wahlkampf der Langeweile? Nein, denn der Kampf um Platz zwei ist spannend wie nie. SPÖ, FPÖ und mit Abstrichen Grüne und KPÖ haben Chancen. Nach der im Vorjahr nur knapp gescheiterten Selbstdemontage hat die SPÖ die besten Karten. Parteiobfrau Martina Schröck ist die siebente Chefin seit 2008. Sie versucht, mit einer Radikalverjüngung wieder Leben in die Partei zu bringen.
Die FPÖ gibt sich unter Mario Eustacchio gemäßigt. Nach der Hetze einer Susanne Winter will man betont leise auftreten. Die feine Klinge wird der Burschenschafter Eustacchio dennoch nicht führen: Der Islam wird weiter als Feindbild gepflegt.
Die KPÖ ist in den jüngsten Umfragen auf dem Vormarsch. Die Art, wie das Team um Elke Kahr Politik versteht, bringt den Kommunisten in Graz viele Sympathien. Die könnten sich diesmal wieder in ein Plus an Wählerstimmen ummünzen lassen.
Wahlkampfhilfe aus Wien
Vierter Anwärter auf Platz zwei sind die Grünen. Sie schwächeln allerdings seit dem Ende von Schwarz-Grün vor dem Sommer. Viele hatten durch die Regierungsbeteiligung extrem hohe Erwartungen an Lisa Rücker, nun drohen die sich abzuwenden. Die grüne Hoffnung liegt in der bis zu fünf Prozent starken Schwankungsbreite bei Umfragen. Das gibt Luft nach oben.
Um das zu nutzen, setzen die Grünen massiv auf Hilfe aus Wien. Bundeschefin Eva Glawischnig wird genauso nach Graz kommen wie Gabriela Moser und Alexander Van der Bellen.
Auch die FPÖ setzt auf Wien. Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache ist ja der wahre blaue Spitzenkandidat, egal wo gewählt wird. Er wird gleich zweimal nach Graz kommen.
Die ÖVP verzichtet dankend. Die Strahlkraft eines Michael Spindelegger wird als zu gering eingeschätzt. Lediglich Jung-Star Sebastian Kurz schaut vorbei.
Features
Die Kleinparteien
Das BZÖ führt die Kleinparteien an. Unter Gerald Grosz scheint der Wiedereinzug in den Grazer Gemeinderat fix.
Die Christliche Partei hat als einzige weitere Gruppierung die 200 Unterstützungserklärungen eingereicht. Unter Manfred Grössler will man den Einzug schaffen.
Die Piraten müssen die Unterschriften noch einreichen.
Ebenfalls antreten wollen "Einsparkraftwerk", "Wir - die Wähler" und das Liberale Forum.


















