Schwarz-Grün: Nagl sieht "neue Option in Land und Bund"
VP-Bürgermeister Siegfrid Nagl sieht Graz nach beschlossenem Koaliationspakt in Vorreiterrolle. Rücker: "Wir verhandelten auf Augenhöhe"

Foto © APANagl sieht Graz in Vorreiterrolle
Dass die vereinbarte "Zusammenarbeit in gegenseitigem
Respekt und Wertschätzung" zwischen Schwarz und Grün auch über Graz
hinaus ausstrahlen könnte, damit rechnet der Grazer VP-Chef
Bürgermeister Siegfried Nagl fest: "Ich sehe darin eine neue Option
in Land und Bund". Graz habe öfters eine Vorreiterrolle gespielt,
etwa vor fünf Jahren weg von Schwarz-Blau hin zu Schwarz-Rot.
Wählerauftrag.
Nagl hatte ja schon vor der Wahl Schwarz-Grün als "Koalition mit
Charme" bezeichnet und sich auch durch einen Korb Rückers nicht
irritieren lassen. Jetzt sieht der ÖVP-Bürgermeister im Pakt die
Umsetzung des Wählerinnen- und Wählerauftrages - die beiden
Wahlsieger trügen die Hauptverantwortung - und setzt an einen neuen
politischen Stil, weg vom Streiten, hin zum Arbeiten: "Die Leute
haben es satt, jeden Tag auf den Titelseiten zu lesen, dass irgendwer
mit irgendwem nicht kann."
Werbung.
Dass er innerparteilich für diese Koalition werben musste, will
Nagl gar nicht verhehlen. Im Gegensatz zu
den Grünen, "für die es sicher eine schwierige Geschichte war" - aus
der Jugend und aus den Bezirken waren einige kritische Stimmen nach
außen gedrungen -, habe er in der eigenen Partei aber besser "den
Deckel draufhalten" können. Auch auf der Straße sei er häufig
angesprochen worden, wobei viele ihn bestärkt, andere wiederum
gemeint hätten: "Seids narrisch - mit diesen Chaoten?".
Parteienverhandlungen.
Den Slogans "Es ist Zeit für einen neuen Stil in der Politik" und
"Es ist Zeit, Mut zu haben" schiebt Nagl eine sehr persönliche
Anmerkung über die Erfahrungen aus den mehrwöchigen
Parteienverhandlungen nach: "Ich selbst habe auch wieder neue Freude
gefunden".
Chemie stimmt.
Dass die Chemie zwischen den Akteuren gestimmt hat, ließ auch Lisa
Rücker durchblicken, die sich gleichzeitig gegen den Vorwurf
verwehrt, die Handschrift ihres Verhandlungsteams sei "blassgrün"
ausgefallen: "Wir haben wirklich gespürt, dass auf unsere
Vorstellungen eingegangen wurde und hatten den Eindruck, auf gleicher
Augenhöhe zu verhandeln".
Kurskorrektur der Grünen.
Unter dem Motto "Gegensätze ziehen sich an" versuchte die
designierte Vizebürgermeisterin auch die eigene Kurskorrektur zu
erklären: "Bei der ÖVP wissen wir, woran wir sind". In der Bemerkung,
es sei gar nicht unbedingt von Vorteil, wenn sich Partner ideologisch
nahe stehen, schwang auch ein Rückblick auf die nicht eingelöste
rot-rot-grüne Option von vor fünf Jahren nach. Außerdem spiele auf
kommunaler Ebene die Ideologie nicht die Rolle wie in gesetzgebenden
Körperschaften.

















