Siegfried Nagl im Interview: "Ich habe Alternativen im Kopf"
Bürgermeister Nagl spricht über die grüne Handschrift im schwarz-grünen Pakt sowie seinen Plan B im Falle des Scheiterns. Außerdem bestreitet er, dem Machtrausch verfallen zu sein.

Foto © APANagl, Rücker
Herr Bürgermeister, wie können Sie die grüne Basis beruhigen, damit diese heute Abend doch dem schwarz-grünen Pakt zustimmt?
SIEGFRIED NAGL: Lisa Rücker hat sich mit ihrem Team bemüht, klare Schwerpunkte zu setzen - und das wird man auch am Montag sehen. Wir haben nicht Kompromisse geschlossen, sondern in vielen Bereichen einen echten Konsens gefunden.
Wo zeigt sich die grüne Handschrift im Programm?
NAGL: Details gibt es erst am Montag, aber wer die beiden Wahlprogramme kennt, weiß, dass wir uns in den Bereichen Soziales, Integration, Umwelt oder Verkehr nicht sehr unterscheiden.
Wird der ÖVP-Vorstand heute Abend der Koalition zustimmen?
NAGL: Wir haben ja Erfahrung bei Verhandlungen und nicht versucht, uns jeden Tag aus dem Fenster zu lehnen. Ich merke in der Partei, dass der Aufbruch zu einer neuen Politik da ist und wir die ständigen Querelen der vergangenen Jahre nicht mehr wollen. Also halte ich eine Zustimmung für sehr wahrscheinlich.
Wird dann Lisa Rücker auch Vizebürgermeisterin, ein Titel, der eigentlich der zweitstärksten Partei - in diesem Fall der SPÖ - zugedacht ist?
NAGL: Wer mit mir eine fixe Koalition eingeht und Verantwortung für die Stadt übernimmt, hat auch einen Anspruch auf den Titel VizebürgermeisterIn.
Was ist Ihr Plan B, sollte die grünen Basis den Pakt kippen?
NAGL: Ich hab' ein Alternativszenario bereits im Kopf - dann gibt es entweder das freie Spiel der Kräfte oder eine Zusammenarbeit mit der SPÖ. Die erste Gemeinderatssitzung wäre dann erst am 20. und nicht schon am 13. März.
SPÖ-Chef Wolfgang Riedler wirft Ihnen einen Zug zur Machtkonzentration vor. Übertreiben Sie nach dem Wahlsieg?
NAGL: Das ist vorschnell, Riedler weiß weder, was im Pakt steht, noch kennt er die Ressortverteilung. Wer mich kennt, weiß, dass ich zu keinem Machtrausch neige. Es wird auch kein Köpferollen bei roten Managern geben. Ich habe Riedler angewiesen, über eine Dringlichkeitsverfügung den Vertrag von Geschäftsführer Gert Heigl bei der Energie Graz zu verlängern. Heigl ist eindeutig SPÖ-nahe.

















