Bauleiter wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht: vertagt
35-Jähriger soll Stützmaßnahmen zu wenig kontrolliert haben - Betondecke stürzte auf Polier und verletzte ihn tödlich.
Ein 35-jähriger Bauleiter hat sich am Montag wegen fahrlässiger Tötung vor dem Grazer Straflandesgericht verantworten müssen. Der Oststeirer soll im Juli des vergangenen Jahres Kontrollmaßnahmen bei einer Deckenstützung verabsäumt haben. Beim Einsturz der Decke war ein Polier erdrückt worden. Der Prozess wurde vertagt.
Polier. Der Bauleiter hatte mit dem Polier, den er vor Gericht als erfahren und "perfekt" beschrieb, bereits zuvor an mehreren Baustellen zusammengearbeitet. Die Arbeitsaufteilung sei stets reibungslos verlaufen. Während der 35-Jährige sich mehrheitlich um die Ressourcenbereitstellung kümmerte, war der Polier auf dem Bau für die Umsetzung zuständig.
Gebäude. Im Juli waren die beiden Männer gerade mit der Errichtung eines Gebäudes beschäftigt, bei dem das erste Obergeschoß etwa fünf Meter über das Erdgeschoß hinauskragen sollte. Bauphysikalisch wäre man ohne Stützsäule ausgekommen; bis der Beton jedoch gehärtet und die Wände im Obergeschoß aufgezogen waren, die Konstruktion also selbsttragend wirken sollte, lag die Last auf provisorischen Stehern unter dem Vorsprung. Vor Gericht stellte sich jedoch heraus, dass notwendige Schwerlaststeher - die sogar angefordert und auf der Baustelle zur Verfügung gestanden sein dürften - nicht verwendet worden waren. So passierte das Unglück: Die Betondecke brach und stürzte auf den 44-jährigen Polier, der eingeklemmt wurde. Der Mann erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus.
Schlüsselfrage.
Für Richter Helmut Krischan war die Schlüsselfrage an diesem Unfall die unzureichenden Steher unter der Deckenkonstruktion. Der Angeklagte gab an, die Stützmaßnahmen nicht kontrolliert zu haben, da es Aufgabe des Poliers gewesen sei, sie fachgerecht anzubringen. Er sei davon ausgegangen, dass die angelieferten Schwerlaststeher auch eingesetzt werden. "Der Polier und ich haben zuvor bereits kompliziertere Gebäude errichtet", so der 35-Jährige, der sich nicht schuldig bekannte.
Der Prozess wurde vertagt, um noch den Sachverständigen sowie Arbeiter, die zum Unfallzeitpunkt auf der Baustelle waren, zu befragen.
















