Motorsägen-Simulator soll Waldarbeit sicherer machen
Forschungsinstitut der FH Joanneum entwickelte Prototyp, der das "Trockentraining" mit einer realen Kettensäge im virtuellen Raum ermöglicht. Die Windwurf-Aufarbeitung wird jedoch erst in einigen Jahren trainierbar.

Foto © APAEntwickelter Motorsägen-Simulator, der das Training mit einer realen Kettensäge im virtuellen Raum ermoeglicht
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass bei den
Aufräumarbeiten nach Sturm "Paula" ein Forstarbeiter verletzt oder
gar getötet wird. Die Gefahren und Techniken der Waldarbeit kann man
nun auch abseits der Natur kennenlernen: Das Forschungsinstitut "ZML
- Innovative Lernszenarien" an der Fachhochschule Joanneum in Graz
hat einen Motorsägen-Simulator entwickelt, der das "Trockentraining"
mit einer realen Kettensäge im virtuellen Raum ermöglicht.
Schlechte Schulung.
Schlechte Schulung vieler Besitzer und Nebenerwerbslandwirte, die
momentan mit der Aufarbeitung der Sturmschäden beschäftigt sind, ist
der Hauptgrund für Unfälle in der Forstwirtschaft. Dem entgegen
wirken will das Motorsägen-Projekt an der FH Joanneum, auch wenn
seine Realisierung für die aktuelle Problemlage zu spät kommt:
Gemeinsam mit dem oberösterreichischen Forstlichen Ausbildungszentrum
Ort in der Stadtgemeinde Gmunden wurde in rund eineinhalb Jahren
Forschungsarbeit der Prototyp eines Simulators entwickelt, der nun in
praktische Erprobung gehen soll.
Virtueller Raum.
"Konkret kann der Auszubildende mit einer Computersimulation den
Umgang mit der Kettensäge erlernen", erklärte Projektleiter Heimo
Sandtner im Gespräch mit der APA. Dazu werde direkt am Rechner eine
reale Säge mit eingebautem Sensor angeschlossen. Ein wirklicher
Baumstamm, der bereits geschnitten und mit Federn präpariert ist,
dient als Schnittmodell, um auch echten Widerstand beim Ansetzen der
Säge zu erzeugen. Im virtuellen Raum in 3D, der dem Auszubildenden
mit einer Brille vorgeführt wird, erfolgt schließlich der Schnitt.
Dabei kann man den Baum im individuellen Grad "anschneiden" und die
Konsequenzen feststellen, so Sandtner.
Prototyp.
Die ersten Ausbaustufen - stehender und liegender Stamm - werden
noch im Februar als Prototyp am oberösterreichischen
Ausbildungszentrum für rund ein halbes Jahr getestet. Ab Oktober soll
die Simulation im momentan in Bau befindlichen Waldkompetenzzentrum
Schöneben (OÖ) auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Derweil
wird weiterentwickelt: In zwei bis drei Jahren will man auch
Windwurf-Simulationen mit Spannungen in den Baumstämmen darstellen
können, erklärte der Projektleiter.
Vor zwei Jahren kein Interesse.
Neben Simulationen für die Forstarbeit arbeitet das ZML auch an
ähnlichen Arbeitsablauf-Projekten für Schweißtechnik oder im
medizinischen Bereich. Seitens des Landes Steiermark habe man sich
vor rund zwei Jahren, als Sandtner sich mit dem Motorsägen-Projekt
vorstellte, wenig interessiert. Daher arbeite man nun mit den
Oberösterreichern zusammen. Der Projektleiter wolle aber nun nach der
Sturmkatastrophe erneut Kontakt zum Land Steiermark herstellen.

















