Arbeiter ließen SP im Stich
Wieder hat die Fraktion der Nichtwähler der Politik eine Absage erteilt. Vor allem in den Arbeiterbezirken blieben die früheren SPÖ- und KPÖ-Wähler den Wahlzellen fern.
Es sah zunächst schlimmer aus als befürchtet. Es ist nur ein schwacher Trost, wenn morgen die vermutlich rund 4000 Wahlkarten noch dazu gerechnet werden. An der extrem niedrigen Wahlbeteiligung wird sich nicht viel ändern. Mit mehr als 41 Prozent stellt die Fraktion der Nichtwähler wieder die größte Gruppe im Grazer Wahlvolk dar.
Wahlbeteiligung. Vor allem in den Bezirken spiegelt die Wahlbeteiligung auch das schlechte Abschneiden von SPÖ und KPÖ wider. So sank vor allem in den klassischen Arbeiterbezirken die Wahlbeteiligung stark in Richtung der 50-Prozent-Schwelle. In Gries blieb sie mit 46,14 Prozent sogar eindeutig darunter, in Lend mit 50,58 Prozent nur knapp drüber. In den bürgerlichen Bezirken erreichte die Wahlbeteiligung durchwegs die 60-Prozent-Marke, in Waltendorf (+1,05 %) und Innere Stadt (+ 0,87 %) stieg sie sogar.
"Dramatische Entwicklung". SP-Altbürgermeister Alfred Stingl gibt die "dramatische Entwicklung" zu denken. "In anderen Ländern werden Kriege geführt, um freie Wahlen zu ermöglichen", so Stingl. In Graz müssten nun alle Parteien, auch die SPÖ, ihre Strategie in einer Hinsicht überarbeiten: "Nicht die Werte und Inhalte müssen erneuert werden, sondern die Art und Weise, diese zu vermitteln." SP-Klub-Chef Karl-Heinz Herper stimmt zu: "Wir haben die Grundwerte nicht deutlich genug vermittelt."
Nichtwähler. Wahlgewinner Bürgermeister Siegfried Nagl beruft sich auf die Meinungsforscher, wonach die Nichtwähler entweder aus Ärger über die Politik nicht wählen gingen oder offensichtlich fanden, dass es ihrer Beteiligung nicht bedurfte.
















