Grazer KPÖ: Zimmer, Küche, Kabinett
Im sozialen Wohnbau ist die Grazer KPÖ daheim. Und ihre Wähler, die von anderen Parteien enttäuscht sind.

Foto © APAElke Kahr - "Helfen statt Reden"
Das leise Klopfen, das vorsichtige Herunterdrücken der Türklinke verrät die Person hinter der Bürotür von Stadträtin Elke Kahr (KPÖ). Es kündigt kein Hereinpoltern an, kein auf-den-Tisch-Hauen. Sondern ein zaghaftes Fragen nach "ein bissl Geld", weil man mit der Miete im Rückstand oder der Boiler defekt oder beides der Fall sei. "Können S' mir helfen?!"
30 pro Tag. Kahr kann und will und rennt in ihrem Büro zwischen Computer, Telefon und Mitarbeitern hin und her. "Solche Fälle landen täglich bei uns, bis zu 30 am Tag", flüstert sie im Vorbeieilen. "Die Dienstage und die Donnerstage sind am stärksten."
Wahlkampf pur. Und in jeder Minute davon macht die Grazer KPÖ Wahlkampf pur. Sehr erfolgreich noch dazu. Weil sie das Soziale perfekt verkörpert. Weil die Trennung zwischen den Personen der KPÖ und ihrer Ideologie, die vielen Grazern schon in den Wahlurnen des Jahres 2003 leicht von der Hand ging, manchem auch fünf Jahre später locker gelingen wird. Und weil in vielen Fällen die Kontoauszüge halt schwerer wiegen als die Geschichtsbücher.
Wohnung besorgt. "Ein Freund von mir hat a neue Wohnung 'braucht. Beine amputiert, zwei Kinder", erzählt einer der Wartenden vor Kahrs Tür. "Wissen S' was: Drei Wochen später hat ihm die Kahr a neue Wohnung besorgt." Die Dame neben ihm nickt und schildert die Spitzenkandidatin der KP als "freundliche und wirklich hilfsbereite Person". Und der Kommunismus? "Die sind für einen da, das allein zählt."
Features
Im Detail
Vorgeschichte
Fakten
Elke Kahr wurde am 2. November 1961 geboren. Die im Alter von drei Jahren adoptierte Grazerin war als
Sekretärin in einer Bank beschäftigt, machte nebenbei die
Abendhandelsakademie und ist seit 25 Jahren Parteimitglied.
Kahr lebt seit 1988 in einer Lebensgemeinschaft mit
KPÖ-Landesparteivorsitzendem Franz-Stephan Parteder und hat einen
17-jährigen Sohn.
In den Gemeinderat zog Kahr 1993 ein, 1998 übernahm
sie die Führung im KPÖ-Klub. In den Jahren 2003 bis 2004 bekleidete
sie den Posten einer stellvertretenden Bundesvorsitzenden der KPÖ.
Zum Thema

Grafik vergrößernWahlplakat der KPÖGrafik © Erwin Scheriau













