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Zuletzt aktualisiert: 23.10.2007 um 14:40 Uhr

Huchen als "Joker" gegen Kraftwerksprojekte nahe Graz

Kraftwerke würden den Lebensraum des in der "Roten Liste" geführten Fisches gefährden. Naturschutzbund verlangt Neukonzeption der Projekte.

Der Huchen vermehrt sich gerade in der Mur gut

Foto © Andreas SchöberlDer Huchen vermehrt sich gerade in der Mur gut

Gegen zwei geplante Kraftwerksprojekte in Gössendorf und Kalsdorf hat der steirische Naturschutzbund nun - wie er meint - einen "Joker" in der Hand: Zwei unabhängige Stellen bestätigten, dass es eine reproduzierende Huchenpopulation in der Mur gibt, so Markus Ehrenpaar, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Steiermark. Die Kraftwerke würden den Lebensraum des in der "Roten Liste" geführten Fisches gefährden. Eine neue Projektierung wird gefordert.

Elektrizität. Die BOKU Wien sowie der Fischereisachverständige Gerhard Woschitz haben unabhängig voneinander Bestandserhebungen durchgeführt und nachgewiesen, das der Murhuchen in Eigenreproduktion in der Mur beheimatet ist, so Ehrenpaar: "Das bedeutet das 'Aus' für das geplante Projekt." Eine Verhandlung über eine "Minimalvariante", bei dem die Naturschützer auf 25 Prozent des jederzeit ständig fließenden Wassers bestanden haben und 75 Prozent für die Elektrizität genutzt werden könnten, lehnten die Betreiber - federführend die Energie Steiermark-Stromtochter Steweag-Steg - ab. Auch sprächen diese davon, dass der Huchen nur besatzgestützt in der Mur existiere. Bei einem Treffen Mitte November werden die neuen Ergebnisse vorgelegt, welche eine Neukonzeption des Projekts zur Folge haben sollten, so die Naturschützer.

Huchenpopulationen. Auf einer Länge von rund 100 Kilometern, vom obersteirischen Leoben bis zum südsteirischen Spielfeld, hat die Mur 19 Kraftwerksanlagen, so Walter Urwalek, Bezirkssachverständiger des Landesfischereiverbandes Steiermark. Die letzte längere Fließstrecke mit rund 23 Kilometern nördlich von Graz bis Mellach würde durch den Bau der beiden Kraftwerke zu einer durchgehenden Staukette. Dabei entspreche diese Strecke der Mindestlänge für selbsterhaltende Huchenpopulationen. Bei einer Zerstückelung wäre eine genetische Diversität nicht mehr gegeben und es könnte im Fischbestand zu Degenrationserscheinungen (z.B. Albinoformen) kommen, so Urwalek.

Kraftwerke. Die Kraftwerke würden sich auch negativ auf die Fischwanderung auswirken sowie im Bereich des Stauraumes u.a. durch Schlamm den Lebensraum der strömungsliebenden Arten zerstören, so Ehrenpaar. Die Mur verzeichne südlich von Graz nur noch eine "Fischbiomasse" von 50 Kilogramm pro Hektar; in Murau seien es hingegen 800 kg. Eine erfreuliche Ausnahme bilde das Stadtgebiet von Graz mit 300 kg/ha. Laut Urwalek sind dafür Strukturmaßnahmen, die im Zuge der Murinselerrichtung und der Promenadengestaltung vorgenommen wurden, verantwortlich: "Mit solchen Strukturmaßnahmen kann man den Fischbestand heben, nicht aber mit Kraftwerken."


Hintergrund

Der Huchen, auch Donaulachs oder Rotfisch genannt, besiedelt die Äschen- und Barbenregion von Flüssen, vor allem der Donau und vieler ihrer Nebenflüsse wie Regen, Enns, Drau, Lech, Mur, Mank, Melk, Traisen und Pielach. Der Speisefisch ist stark vom Aussterben bedroht.

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