Grazer Polizeianhaltezentrum: Endstation für abgewiesene Asylwerber
Insgesamz 86 Verwaltungsstrafen-Sünder, Schub- und Verwahrungshäftlinge finden hier Platz.

Foto © AP45 Bedienstete sorgen für reibungsfreien Ablauf
Von außen nicht einsehbar liegt das
Polizeianhaltezentrum in Graz am Areal der Bundespolizeidirektion in
der Paulustorgasse. Das Zentrum ist Endstation für abgewiesene
Asylwerber, die auf ihre Abschiebung warten. Im Haus ist Platz für
insgesamt 86 Bewohner, neben Schubhäftlingen sind auch
Verwaltungsstrafen-Verbüßer, die eine Ersatzfreiheitsstrafe leisten,
sowie maximal für 48 Stunden Verwahrungshäftlinge untergebracht.
Maximal zehn Monate. "Wir sind dazu da, die Häftlinge zu betreuen und zu versorgen",
erklärte Kommandant Otmar Podlipnig bei einem Rundgang im Haus. "Wir
sind eigentlich wie ein Hotelbetrieb - und darüber hinaus." Das
Fremdenrecht sehe grundsätzlich eine Schubhaftdauer bis maximal zehn
Monate vor: "Die Erfahrung zeigt aber, es wird so schnell wie möglich
abgeschoben. Meistens dauert es nicht länger als sechs Monate", sagte
Podlipnig gegenüber der APA. Wie lange Schubhäftlinge hier sind, sei
"ganz verschieden".
Verpflegung. Neben der Verpflegung müsse auch für die medizinische Versorgung
und die Möglichkeit der Religionsausübung gesorgt sein, so der
Kommandant. Essen wird von der Justizanstalt Graz-Karlau geliefert:
"Wir haben natürlich verschiedene Kostsorten: Normal-, Schon- und
Diabetikerkost, fleischlose und die sogenannte 'rituelle Kost'",
berichtete Podlipnig. "Zweimal in der Woche holen wir auch ein halbes
Kilo Obst pro Häftling."
Recht auf Religionsausübung. Für die medizinische Versorgung ist der polizeiärztliche Dienst
zuständig. Insassen hätten auch das Recht auf Religionsausübung: Dazu
kommen Seelsorger in das Anhaltezentrum, z. B. Betreuung für
Evangelisten, Zeugen Jehova und Muslime, so der Kommandant. Als
Besuchszeit sind einmal 30 Minuten pro Woche vorgesehen: "In der
Praxis sind es aber am Tag etwa zehn Minuten", meinte Podlipnig. Der
Erfahrung nach sei es leider so, dass dann der Gesprächsstoff
ausgehe. Wertkartentelefone sind in den Gängen aufgestellt; Handys
sind hier nicht erlaubt.
70 Betten immer besetzt. Von den 86 Betten sind um die 70 immer besetzt: "Mehr geht
meistens nicht, weil man Häftlinge nicht einfach zusammenlegen kann",
erklärte Podlipnig. Bei der Belegung wird nach Geschlecht getrennt,
nach Nationalität, nach Raucher und Nichtraucher. Um Ruhe im Haus zu
bewahren, sagte Podlipnig. Oft finden sich Schubhäftlinge und
Verwaltungsstrafen-Verbüßer derselben Nationalität am gleichen
Stockwerk, nicht aber zusammen in den Zellen. "Im Vorjahr hatten wir
rund 60 verschiedene Nationalitäten hier - das sind um die 40
verschiedenen Sprachen", berichtete der Kommandant. Zur Verständigung
werden Dolmetscher geholt.
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